55. Salvatorabend 2019 Unteroffizierschule der Luftwaffe Appen Marseille-Kaserne Kommandeur Oberst Michael Skamel
Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Aufgetischt und losgetanzt – 55. Salvatorabend in Appen

Eine der liebsten Traditionen der Appener ist der alljährliche Salvatorabend in der Unteroffizierschule der Luftwaffe in der Marseille-Kaserne. Doch wer am vergangenen Freitagabend dabei sein durfte, der erlebte die eine oder andere Überraschung.

„Etwas ganz Besonderes.“

Gründe dafür gab es mehr als genug. Der Abend selbst feierte einen Schnapszahl-Geburtstag – es war der 55. Salvatorabend – und nahm gleichzeitig das bevorstehende Jubiläum der Gemeinde Appen mit auf: „750 Jahre Appen – Heimat der Unteroffizierschule der Luftwaffe – gemeinsam stark“ lautete das Motto des Abends, das sich auch auf den diesjährigen Salvatorkrügen wiederfand.

Kommandeur Oberst Michael Skamel selbst formulierte es auf seine Weise:

„Feste gibt es oft im Jahr.
Manche nimmt man kaum noch wahr
als besondere Termine,
denn sie wurden zur Routine.

Manche aber sind indes
etwas ganz Besonderes;
Höhepunkte sozusagen,
die die anderen überragen.

Heute, das steht außer Frage,
ist wohl einer dieser Tage.“

Erstmals mit Tanz

Und auch aus diesem Grund hatte man beschlossen, den Salvatorabend mal ein wenig zu verändern. „Wir möchten unseren Gästen mehr bieten und den Abend noch mehr zu etwas Besonderem machen“, sagte Oberstabsfeldwebel Michael Schmidt. „Dazu gehören natürlich wie immer gute Gespräche, ein gutes Essen oder der traditionelle Fassanstich. Aber auch ein wenig Vergnügen und Unterhaltung. Deswegen haben wir unsere Gäste mit Begleitung eingeladen. Denn es wird erstmals die Möglichkeit geben, das Tanzbein zu schwingen.“

Marinemusikkorps Kiel

Eine Möglichkeit, die begeistert angenommen wurde. Rund 350 Gäste waren der Einladung der Unteroffizierschule gefolgt und stürmten begeistert die Tanzfläche. Oberst Michael Skamel und seine Frau Sonja eröffneten die erste Runde, musikalisch begleitete die Egerländer Besetzung des Marinemusikkorps Kiel unter der Leitung von Hauptbootsmann Tobias Mager unermüdlich durch den Abend. Für die Ausrichtung und das Wohl der Gäste war die 3. Inspektion verantwortlich.

Bundeswehr und Gesellschaft

Doch auch der Redeteil zuvor war jede Sekunde des Zuhörens wert. Oberst Michael Skamel nutzte seine Begrüßungsansprache, um einen Blick auf das besondere Verhältnis von Bundeswehr und Gesellschaft zu werfen. „Wir haben es miteinander nicht immer leicht“, sagte er mit einem kleinen Lächeln. Was in letzter Zeit so über die Bundeswehr zu hören und lesen sei, tue ihm als loyalem Soldaten fast körperlich weh.

Trendwende Einstellung

„Seit mehr als 60 Jahren ist die Bundeswehr fest verankert in unserer Demokratie, der Inneren Führung verpflichtet und dem Primat der Politik untergeordnet“, sagte er. Landes- und Bündnisverteidigung bekämen angesichts der sicherheitspolitischen Situation in Europa einen neuen Stellenwert. Er beklagte aber auch die mangelnde Krisenvorsorge und den Investitionsstau der vergangenen Jahrzehnte. „Kurze-Hose-Holzgewehr sind auf Dauer weder für das Bestandspersonal noch eine erfolgreiche Nachwuchsgewinnung ausreichend.“ Und weiter: „Die Bundeswehr auf dem Weg zurück zur Einsatzbereitschaft bedeutet nicht nur beschaffen und neu ausrüsten, sondern auch fliegen, fahren, ausbilden und üben. Wenn es nach uns an der Unteroffizierschule der Luftwaffe ginge, würden wir sehr gern noch viel mehr ausbilden und üben.“ Die Trendwenden Personal, Material und Finanzen seien eingeleitet. „Diese werden aber nur erfolgreich sein, wenn es auch eine Trendwende Einstellung in der Bundeswehr und gegenüber der Bundeswehr gibt.“

Katholische Sündenabwehrkanone

Gastredner der Abends war Monsignore Rainer Schadt, Leitender katholischer Militärdekan des Militärdekanats Kiel. Und wer glaubt, er könne sich an dieser Stelle geistig verabschieden, der irrt. Bereits zum dritten Mal in der Geschichte des Salvatorabends war der Monsignore als Gastredner geladen. Und schon nach der ersten Sekunde war klar, warum. Langweiliges Predigen? Nicht die Spur. An diesem Geistlichen ist ein Büttenredner der Extraklasse verloren gegangen. Mit einem sehr viel feineren Humor und einer gehörigeren und klügeren Portion Selbstironie als so manche Bundesparteivorsitzende. Intern „katholische Sündenabwehrkanone Norddeutschlands“ genannt beklagt der gebürtige Südhesse gern den deutlichen Missionsbedarf in Norddeutschland zu „Fassenacht und Karneval“. „Ich fühle mich geehrt, Sie zu dem Spannungsbogen Fastenzeit-Starkbierzeit, Kirche und Militärseelsorge und auch das Spannungsverhältnis zwischen Mann und Frau aus biblischer Sicht unter besonderer Berücksichtigung des anschließenden Tanzes zu informieren.“ Das tat er zur Freude seiner Zuhörer auch ausgiebig, gespickt mit vielen Anekdoten aus seinen Auslandseinsätzen in Somalia und Afghanistan.

Keine Frage: Diese Rede war ein Genuss. Und der 55. Salvatorabend war es auch. Die Modernisierung hat dem Abend gut getan. Wir sind jetzt schon gespannt auf nächstes Jahr.

www.luftwaffe.de

Fotos: Birgit Schmidt-Harder

17.03.2019

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