Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Und? Wie war Ihr Weihnachtsfest? Meines war toll. Ehrlich. Wir haben so viele schöne neue Vorsätze gefasst – mein Mann und ich. 

Warum? Na, wir machen jetzt Lean Management in der Familie.
Sie wissen schon: schlankere Strukturen, bessere Wertschöpfungskette, Selbstoptimierung, offene Feedback-Prozesse.
Nur eben auf Familienniveau.

Mein Mann sagt, was auf Geschäftsebene funktioniert, kann im privaten Bereich doch gar nicht so schlecht sein. Schluss mit leerem Kühlschrank, vollen Wäschekörben und unerledigten Hausaufgaben. „Raus aus der Komfortzone!“, ist das Motto der Stunde. Da geht noch was! Wir müssen den anderen Familien gegenüber doch konkurrenzfähig bleiben!

Ich gab ihm vollkommen recht und wollte gern dazu beitragen. Also führten wir als erstes ein persönliches Zielvereinbarungsgespräch für  2019.
Also er mit mir.
Wo ich meine Stärken und Schwächen sehen würde, was ich gern besser machen möchte und woran es wohl läge, dass ich die Wäsche nicht in den Griff bekäme?

„Einfach machen, verstehst du?“, riet mein Mann mir eindringlich und legte mir die Hand auf die Schulter. „Du musst es einfach machen“, – (man achte auf die Doppeldeutigkeit) – „und vor allem gleich. Klar?“

Klar. Aber wenn ich einen anderen Termin und die Kinder…?

„Ach was! Quick and dirty! 80 Prozent reichen! Na los!“

Dann erstellte er eine Tabelle auf dem White Board, das er mir zu Weihnachten geschenkt hatte. „Bügeln? Macht wer? Du? Bis wann? Diese Woche noch oder kommt das auf die Langläuferliste? Fang doch bitte gleich morgen mit der Umsetzung an.“

Das tat ich.

Allerdings stellte sich heraus, dass die Lehrerin unseres Sohnes 80 Prozent bei Klassenarbeiten als „nicht ausreichend“ einstufte. Und dass „quick and dirty“ beim Kochen übel ausgeht. Und als ich die ehelichen Pflichten auf die Langläuferliste setzte und dabei die letzten 20 Prozent wegließ, bestand mein Mann umgehend auf einem Feedback-Gespräch.

Wir haben dann das White Board in den Müll geworfen.

Und uns gedacht: Was privat funktioniert, könnte auf Geschäftsebene manchmal auch nicht so schlecht sein, oder?

 

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