Klasse musiziert Musikschule für alle Musikschule Pinneberg Bürgerstiftung Pinneberg-Elmshorn Bettina Fischer Alireza Zare Hans-Clausen-Schule
Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

„Die Musikalisierung der Grundschule“

Alireza Zare, der Leiter der Musikschule Pinneberg, hat eine Vision: Er wünscht sich „Klasse musiziert – Musikschule für alle“. Und zwar für alle Grundschüler in Pinneberg. Die ersten Schritte dazu sind bereits gemacht. Die Idee ist da, der Plan steht und die Finanzierung zu mehr als 70 Prozent auch. Ihm zur Seite stehen die Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn, der Verein Pinneberger Kinder und alle Service Clubs dieser Stadt.

Sie auch? Vielleicht ein kleines bisschen?

Nach dem Vorbild von JeKI und MoMo

Herr Zare, wie sind Sie auf die Idee für dieses Projekt gekommen?

Alireza Zare: Mittlerweile bringen sich die Musikschulen bundesweit mit unterschiedlichen Kooperationsprojekten in die allgemein bildenden Schulen ein. Die Zusammenarbeit mit den Schulen öffnet breite Zugänge zum Bildungsangebot der Musikschulen. Viele Projekte haben sich in Nordrhein-Westfalen, wo ich einige Zeit gelebt habe, entwickelt. Musikschulen haben dort einen ganz anderen Stellenwert mit großer Strahlkraft und Vorbildcharakter. Man investiert dort viel stärker in Bildung und auch in Musikklassen. Das Projekt JeKI – Jedem Kind ein Instrument – wurde im Ruhrgebietinitiiert. Aber auch das Monheimer Modell, genannt MoMo (s. u.), anhand dessen ich die Idee für unser Projekt „Klasse musiziert – Musikschule für alle“ entwickelt habe, lief zuerst in der Stadt Monheim in Nordrhein-Westfalen durch.
Mit der Musikschule in Bad Oldesloe – dort war ich bis Ende Februar 2018 tätig – haben wir im Jahr 2010 versucht, das Projekt „Klasse musiziert – Musikschule für alle“ umzusetzen. Bei dem ersten Versuch scheiterte es wie so oft am Geld. Erst im Schuljahr 2013/2014 konnten wir in der dortigen Klaus-Groth-Schule starten. Weil wir tatkräftige Sponsoren gewinnen konnten und weil zugleich die Stadt Bad Oldesloe das Projekt finanziell gefördert hatte. Die Musikschule bietet das Projekt nach wie vor zur Begeisterung aller beteiligten Schüler und Schulen – Grund- wie Musikschule – an. Ich würde mir wünschen, dass wir das Projekt an allen Schulen durchführen können. Das wird aber nicht ohne die dafür nötigen Gelder möglich sein, welche wiederum nicht ganz leicht aufzutreiben sind. Obwohl uns allen bewusst ist, dass Bildung und Wissen die einzigen nachhaltigen Elemente sind, die uns erhalten bleiben und die man den Kindern nie wegnehmen kann. Investition in die Bildung ist Investition in Zukunft.

„Musik schlägt Brücken.“

Was versprechen Sie sich von so einem Projekt?

Alireza Zare:Ich persönlich denke, dass Musik und Musikerziehung einen entscheidenden und vor allem positiven Einfluss auf die großen schulischen Herausforderungen Inklusion und Integration haben. Musik schlägt Brücken. Alle Kinder fangen bei Null an, wenn sie mit dem Instrumentalunterricht anfangen und ein Instrument zum Spielen in die Hand nehmen. Dies führt zu mehr Lernbereitschaft und zu mehr Wahrnehmungsfähigkeit. Das Projekt sieht vor, dass die Kinder ab der zweiten Schulklasse instrumentalen Gruppenunterricht gleich in ihrer eigenen Grundschule erhalten, sobald sie sich für den Unterricht angemeldet haben. Für die Kinder ab dem dritten Schuljahr wird es die Möglichkeit geben, zusätzlich zum Instrumentalunterricht an einem Orchesterunterricht „Orchester Kunterbunt“ teilzunehmen. Diese Entwicklung, diese Synthese, die entsteht, ist ein bahnbrechender Prozess, auch wenn ein junges Schulorchester vielleicht nicht gleich wie die Sinfoniker klingt. Muss es doch auch gar nicht. Es geht um Spaß, um Zugang zum praktischen gemeinsamen Musizieren. Bei dem Projekt steht unter anderem die Chancengleichheit der musikalischen Bildung im Mittelpunkt. Darüber hinaus zählen die sogenannten Transfereffekte wie Entwicklung der emotionalen Kompetenz, Verbesserung der Konzentration, Disziplin und Steigerung des Selbstwertgefühls, die durch den kreativen Umgang mit Musik entstehen. Vor allem dürfen wir das Vermitteln der Kultur und der kulturellen Bildung durch die Musik bei Grundschulkindern nicht unterschätzen. Im Grunde planen wir mit diesem Projekt nichts weniger als die Musikalisierung der Grundschule.

Jedes zweite Kind macht Musik

Ist das denn nachhaltig?

Alireza Zare:Ja. In Bad Oldesloe haben wir die Erfahrung gemacht, dass mehr als 50 Prozent der Kinder ab dem zweiten Schuljahr mit dem Instrumentalunterricht angefangen haben. Das sehen wir auch in Hamburg. Dort investiert man in JeKi. Und in der Tat: Nach einem Jahr Musikunterricht in der 1. Klasse entscheiden sich 50 Prozent der Kinder, ein Instrument zu spielen und Musik weiterzumachen.

„Wir halten musikalische Förderung für sehr wichtig.“

So ein Projekt kostet Geld. Frau Fischer, die Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn bringt sich ein, ebenso die Service Clubs und der Verein Pinneberger Kinder. Wie haben Sie es geschafft, die, die ja alle ihre eigenen Projekte haben, unter einen Hut zu bekommen? 

Bettina Fischer: Ingeborg Triskatis, die 2. Vorsitzende der Musikschule Pinneberg, hatte uns im Mai dieses Jahres auf die Idee von Herrn Zare aufmerksam gemacht. In einem Gespräch haben sie und Herr Zare Herrn Dr. Alsmöller und mir diese vorgestellt und um Unterstützung der Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn gefragt. Wir fanden die Idee gleich richtig gut, auch die weiteren Vorstandsmitglieder Uwe Augustin und Stefan Witt waren begeistert. Wir halten musikalische Förderung für sehr wichtig. Die Summen, die man dafür braucht, sind allerdings recht hoch. Aber wir von der Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn fanden, dass es einen Versuch wert ist, dies als konzentrierte Aktion in Pinneberg umzusetzen. Wir haben dann die einzelnen Service Clubs und den Verein Pinneberger Kinder am 3. September zu einem runden Tisch eingeladen. Die Resonanz war außerordentlich gut. Die Bereitschaft, uns zu unterstützen, war sofort da.

Klasse musiziert Musikschule für alle Musikschule Pinneberg Bürgerstiftung Pinneberg-Elmshorn Bettina Fischer Alireza Zare Hans-Clausen-Schule
Auf Einladung der Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn kamen im September vom Round Table Mathias Kurre, vom Rotary Club Christan Giesbrecht, vom Inner Wheel Club Hamburg-Schenefeld Ingrid Wiedemann, vom Lions Club Jan Dierbach und vom Verein Pinneberger Kinder Kurt Desselmann und Susan Burmester mit Bettina Fischer, Dr. Horst Alsmöller und Uwe Augustin von der Bürgerstiftung Pinneberg-Elmshorn zusammen. Die Musikschule Pinneberg war mit Dr. Jan Riecken, 1. Vorsitzender, Ingeborg Triskatis, 2. Vorsitzende und Alireza Zare, Musikschulleiter, vertreten.

Spende statt Geschenk

Bis zum 31.10.2018 mussten 31.000 Euro zusammenkommen, um bestimmte Anträge stellen zu können. Ist Ihnen das gelungen?

Bettina Fischer: Nahezu. Wir haben aktuell jetzt 22.750 Euro zusammen. Die Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn hat sich mit 10.000 Euro beteiligt. Weitere Gelder kamen umgehend vom Verein Pinneberger Kinder, vom Inner Wheel Club Hamburg-Schenefeld und vom Rotary Club Pinneberg. Und es gab Privatspenden. Unter anderem hat eine bekannte Pinneberger Persönlichkeit, die ein großes Herz für die Musik hat, an ihrem runden Geburtstag dieses Jahr um eine Spende zugunsten dieses Projektes gebeten und auf Geschenke verzichtet.

Wollten der Lions Club und der Round Table nicht auch mitmachen?

Bettina Fischer: Beim Lions Club steht die Entscheidung wegen des zurzeit laufenden Wettbewerbs noch aus. Im Dezember wissen wir mehr. Round Table hat in diesem Jahr leider keine Kapazitäten mehr, im nächsten Jahr wird neu entschieden. Die Musikschule hat rechtzeitig Anfang November einen Antrag an die Stadt mit der herzlichen Bitte um Übernahme der Restsumme gestellt.

Klasse musiziert Musikschule für alle Musikschule Pinneberg Bürgerstiftung Pinneberg-Elmshorn Bettina Fischer Alireza Zare Hans-Clausen-Schule
Alireza Zare (Leiter Musikschule Pinneberg), Bettina Fischer (Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn, Mitte) und Musikfachlehrerin Christina Schwesig von der Hans-Claussen-Schule in Pinneberg erklären das Projekt „Klasse musiziert – Musikschule für alle“.

Grundstock an Instrumenten

Die 31.000 Euro sollen wie folgt ausgegeben werden: 15.000 Euro für Instrumente, 16.000 Euro für die Umsetzung des Projekts. Was genau bedeutet das?

Alireza Zare: Die 15.000 Euro für die Instrumente fallen nur einmal an. Diese benötigen wir, um einen Grundstock anzuschaffen. Die restliche Summe ist für Personalkosten gedacht. Weitere Kosten entstehen nicht. Die 31.000 Euro reichen für die Anschubfinanzierung nächstes Jahr für eine Klasse aus. Wollte man das an gleichermaßen an allen Grundschulen anbieten, bräuchte man – das muss man sagen – 100.000 Euro im Jahr.

Pilotprojekt an Hans-Claussen-Schule

Der erste Durchgang startet mit dem Schuljahr 2019/2020. Also nächstes Jahr im Sommer. Und zwar an der Hans-Claussen-Schule. Warum gerade diese Schule?

Alireza Zare: Wir haben alle Grundschulen angesprochen. Und alle waren offen dafür. Aber irgendwo muss man anfangen.

Christina Schwesig: Ich denke, es liegt daran, dass wir sehr musikaffin sind. Unsere Schulleiterin Katja Beneke war sofort sehr begeistert von der Idee. Wir hatten immer einen Chor. Und das wollen wir gern intensivieren.

In Abstimmung mit Lehrplan

Wie ist die konkrete Umsetzung des Projektes hier in Pinneberg gedacht?

Alireza Zare: Der Ablauf des Projektes sieht so aus: Aufgrund des pädagogischen Konzeptes teilen wir die Klassenverbände jeweils in zwei Gruppen auf, die dann parallel von jeweils einem Musikpädagogen der Musikschule in Begleitung und Unterstützung der Lehrkräfte der Grundschule unterrichtet werden. So bekommen wir bei einer Grundschule mit drei ersten Klassenverbänden sechs Gruppen. Der Unterricht findet angekoppelt an die reguläre Schulstunde statt. Die Kinder bekommen Instrumente zum angeleiteten Ausprobieren und dürfen diese selbstverständlich mit nach Hause nehmen. Wir lassen die Instrumente versichern. Die Eltern unterschreiben einen Leihvertrag, auch wenn die Kinder die Instrumente unentgeltlich mit nach Hause nehmen dürfen.

Eine Stunde mehr in 2019/2020

Inwieweit ist das Projekt mit Fachlehrern und Lehrplan abgestimmt?

Christina Schwesig: Wir sind schon dabei, es in die Planung für das nächste Schuljahr aufzunehmen. Es ist eine kleine Herausforderung, so ein Projekt in den komplexen Stundenplan eines ganzen Kollegiums zu integrieren. Aber das schaffen wir. Wir tauschen uns sehr gut untereinander und mit der Musikschule aus. In Bad Oldesloe klappt das auch sehr gut. Wir sind vier Fachlehrer für Musik, unser Kollegium ist 18 Männer und Frauen stark. Außerdem hat Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien durchgesetzt, dass es ab dem nächsten Schuljahr eine Stunde mehr für alle Erstklässler gibt – also 21 statt 20 Stunden pro Woche. Und diese eine Stunde wollen wir für das Musikprojekt nutzen. Wir haben immer drei erste Klassen. Aufgeteilt sind es also sechs Gruppen.

„Eine Harfe wäre schön.“

Welche Instrumente werden angeschafft?

Alireza Zare: Für diese sechs Gruppen brauchen wir 70 bis 80 Instrumente. Wir möchten die ganze Bandbreite abbilden. Zupfinstrumente wie Gitarren, Schlaginstrumente/Percussion (Schlagzeug, Trommeln), unterschiedliche Holzblasinstrumente, angefangen von Blockflöten über Saxonette und Klarinette bis hin zum Saxophon. Blechblasinstrumente wie Trompete, Waldhorn und Jagdhorn und Streichinstrumente, wobei die Kinder hauptsächlich auf der Geige spielen. Dazu kommen eine Bratsche und ein Violoncello zum Kennenlernen sowie Tasteninstrumente (Keyboard, Xylofone). Und es wäre schön, wenn wir eine Harfe anschaffen könnten. Jedes Kind in seiner Gruppe bekommt immer eine Instrumentengattung zum Ausprobieren.

Wie sollten und können sich die Eltern einbringen?

Christina Schwesig: Es wäre schön, wenn diese die Kinder zum Üben animieren. Ansonsten haben die Eltern keine weiteren Pflichten und keine weiteren Kosten.

Spendenkonto

Wo und wie und wer kann spenden?

Bettina Fischer: Für alle, die das Projekt unterstützen möchten – egal ob Privatleute oder Unternehmen – haben wir extra ein Spendenkonto bei der Volksbank Pinneberg-Elmshorn eG eingerichtet: Jede Spende ist herzlich willkommen auf dem Spendenkonto

Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn
DE63 2219 1405 0152 0520 40
Verwendungszweckes „Initialzündung Klasse musiziert“.

Auf unserer Homepage www.buergerstiftung-pinneberg.de finden Sie vereinfachte Zuwendungsbestätigungen. Bei Summen von mehr als 200 Euro schicken wir Ihnen automatisch eine Spendenbescheinigung zu, wenn die Förderer ihre Adressdaten auf der Überweisung angegeben haben.
Wir würden uns über viele weitere Menschen freuen, die dieses Projekt unterstützen. Denn das ist etwas, was wirklich den Kinder in Pinneberg zugute kommt. Sie spenden also direkt vor Ihrer Haustür.


Informationen:

Alireza Zare, Leiter der Pinneberger Musikschule, hat ein Modell zur Musikerziehung in den Pinneberger Grundschulen entwickelt. Es heißt „Klasse musiziert – Musikschule für alle“und ist angelehnt an das sogenannte „Monheimer Modell“, kurz MoMo (https://musikschule.monheim.de). MoMo ist eine flächendeckende, strukturierte Kooperation der Musikschule mit allen Grund- und Förderschulen der Stadt, die schon 1998 ins Leben gerufen wurde. MoMo umfasst mehrere Bausteine.

Alireza Zare stellt es sich für Pinneberg so vor:

  1. Alle Erstklässler erhalten einmal in der Woche kostenlos eine Stunde Unterricht bei einem ausgebildeten Musikpädagogen der Musikschule und lernen verschiedene Instrumente kennen („Instrumenten-Karussell“).
  2. Der Musikunterricht der Grundschule wird auf dieses Angebot abgestimmt.
  3. In Klassen 2 und 4 gibt es dann einen darauf aufbauenden kostengünstigen Instrumentalunterricht inklusive kostenloses Leihinstrument.
  4. Jede teilnehmende Grundschule initiiert ein Schulorchester.
  5. Ab der 3. Klasse haben die Kinder die Möglichkeit, in dem Orchester mitzuspielen.
  6. Am Ende eines jeden Schuljahres gibt es ein großes Konzert für Eltern und Schüler.

Finanziert werden soll dieses Projekt aus Spendengeldern und Zuschüssen. Aktuell ist die Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn federführend in Sachen Spendengenerierung.

Wer sich auch beteiligen möchte, darf gern auf das unten stehende Spendenkonto einen kleinen oder auch großen Betrag überweisen.

https://www.musikschule-pinneberg.de

https://www.buergerstiftung-pinneberg.de

Spendenkonto:
Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn
DE63 2219 1405 0152 0520 40
Verwendungszweckes „Initialzündung Klasse musiziert“.

Fotos: Birgit Schmidt-Harder (2), Bürgerstiftung Pinneberg-Elmshorn

28.11.2018

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