Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Dirndl für alle!

So, liebe Münchner, wir müssen reden. Was habt Ihr Euch nur dabei gedacht? Bei Eurem entsetzlichen Oktoberfest? Wen auch immer man fragt, der findet das „großartig“, „genial“ oder – am allerschlimmsten – „a Gaudi“.

Damit wir uns recht verstehen, liebe Münchner: Wäre ich ein Emoji, wäre ich das grüne kurz vorm Kotzen.

Dabei bin ich eigentlich recht tolerant. Solange Ihr das da unten südlich der Elbe für Euch auf „der Wies’n“ mit wem auch immer triebt, sollte es mir recht sein. Ich konnte Euch für Eure peinlichen Entgleisungen in Kleidchen und Lederhosen protestantisch kühl belächeln.

Betonung auf „konnte“.

Denn irgendwie ist dieses Jahr alles anders. Eine meine liebsten Freundinnen wollte, dass ich mit ihr und 15 anderen Leuten in einem Brauhaus in Hamburg feiere. „Komm mit, ich habe einen Tisch bestellt. Du müsstest allerdings ein Dirndl tragen.“

Hä? Bitte was? Spinnt die? Natürlich nicht! Ich bitte Euch. Ich bin eine Norddeutsche. Wir gehen nicht auf Wiesen, sondern auf den Kiez. Wir tragen keine Dirndl, sondern Softshell mit Hamburgwappen drauf. Und statt Hofbräuhaus gehen wir gefälligst in den Silbersack. Was ist bloß los mit Euch? Können wir nicht einfach weiterhin in Ruhe Astra trinken, anstatt Sachen wie aus dem Kasperle-Theater anzuziehen?

Offensichtlich nicht. Denn bei der Einladung besagter Freundin ist es nicht geblieben. Noch drei weitere Leute wollten auf ein Oktoberfest gehen. Im September! Im Kreis Pinneberg!

Privat bin ich drum herum gekommen. Dienstlich leider nicht. Tatsächlich muss die Pinnebergerin nun zum Oktoberfest. Mit Dresscode. Dreimal dürft Ihr raten…

Also haben Maike und ich ein Dirndl gekauft. Sie hat dabei so gezetert, dass ich es fast schon wieder lustig fand. Jetzt haben wir jede eins. Sie in blau. Ich in rosa.

Und ganz ehrlich: Noch nie in meinem Leben habe ich ein entwürdigenderes Kleidungsstück besessen. Es ist zu kurz, (überall eigentlich), zu eng (auch überall) und entschieden zu kariert. Und es hat eine SCHÜRZE! Ich bitte Euch, wer trägt denn noch Schürze? Sind wir jetzt auf „Unseren kleinen Farm“, oder was?

Aber gut. Job ist nun mal Job. Blicken wir dem Feind ins Auge und stellen uns ihm, wie es eine Frau von heute tut. Mit geradem Rücken und jeder Menge Spanx unten drunter.

Maike und ich werden also auf dieses Oktoberfest gehen. Im Dirndl. Da wir fotografieren werden, können wir anderen kaum verbieten, Fotos von uns zu machen.

Natürlich nicht.

Aber sollte das doch irgendjemand von Euch tun, schwöre ich Euch, Ihr seid die Nächsten, über die ich eine Kolumne schreiben werde, die sich gewaschen hat.

Miederwaren-Ehrenwort.

Und jaa-haaa, Dirndl-Fotos gibt es dann nächste Woche.

Ehrensache.

Freut euch drauf.

Höre ich da etwa jemanden lachen?!

01.10.2018

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