Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Fünf Jahrzehnte Verwaltung: Traudchen Perrefort

Kommunalverwaltung – für viele kein Vergnügen. Für Traudchen Perrefort dagegen war sie immer etwas Wunderbares. 49 Jahre und zwei Monate genau hat sie für die kommunale Verwaltung gearbeitet. Erst in ihrer Heimat Epe in Westfalen, wo sie im Alter von 16 Jahren eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten begann, dann seit 1988 für die Stadt Pinneberg. Vor einer Woche hatte sie nach einem ganzen Leben im Dienst der Öffentlichkeit ihren letzten Arbeitstag. Die Pinnebergerin traf das „Urgestein der Pinneberger Verwaltung“ – wenn sie uns diesen Ausdruck verzeihen mag  – zu einem Interview, das nicht nur Abschied, sondern jede Menge Fröhlichkeit und Neubeginn verheißt.

Frau Perrefort, herzlichen Glückwunsch! Freitag war Ihr letzter Arbeitstag. Wie war er?

Unglaublich! Es war ein Tag voller Überraschungen und Herzlichkeit. Ich bin ja selbst im Laufe meines Berufslebens zu vielen Verabschiedungen gegangen. Aber meine empfinde ich – das gestehe ich – als die schönste. Ich wollte mich nicht häppchenweise verabschieden, sondern an einem Tag bei allen. Und das war genau richtig. So viele Leute sind gekommen! Sogar mein allererster Chef aus Epe war da. Er ist natürlich schon längst in Pension. Es wurde viel geredet und viel gelacht. Nie werde ich diesen Tag vergessen. Nie! Er war ein krönender Abschluss nach einem fast 50-jährigen Berufsleben.

Haben Sie ein kleines Geschenk bekommen?

Eines? Viele! Die Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Rathaus haben mir zum Abschied einen Überraschungs- und Beschäftigungskoffer geschenkt. Ich war sehr gerührt, als ich den zu Hause auspacken durfte. So viele liebe, kreative und aufmerksame und sehr persönliche Geschenke und Gutscheine waren darin. Eine alternative Hafenrundfahrt ist dabei, ein Gutschein für ein Wassertaxi, eine Rathausführung, ein T-Shirt von Wake up Pi, ein Stutenkerl – wie wir in Westfalen zu den Weckmännern sagen – und und und.

Wer hat gesprochen?

Die Bürgermeisterin natürlich. Zusammen mit Klaus Seyfert. Sie haben sehr unterhaltsam als Tandem geredet. Die Bürgermeisterin hatte auch für das musikalische Rahmenprogramm gesorgt: Vertreter der Pinneberger Musikschule haben gespielt. Und Holger Meyer, der ehemalige Schulleiter der Grundschule Thesdorf. Wir haben im Rockville-Zimmer gefeiert und mussten sogar aufs Foyer ausweichen, weil so viele Leute gekommen waren. In den Ratssitzungssaal konnten wir nicht, weil dort abends das Auftaktkonzert des Kulturvereins für die diesjährige Saison stattfinden sollte. Aber so ging es wunderbar, der Hausmeister Herr Schanz hatte das ganz toll für mich vorbereitet. Der Ehrenvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sportämter Rudolf Behacker sprach zum Beispiel oder Fritz Garben vom Kulturverein, Claus Ricke vom SC Pinneberg für die Sportallianz, Marc Ziertmann vom Städteverband Schleswig-Holstein. Und mein langjähriger Kollege Oliver Schröder. Alle haben so herzlich und aufrichtig gesprochen. Ich gehe mit einem ganz tollen Gefühl. Vielen lieben Dank dafür.

 Was haben Sie danach gemacht?

Na, danach bin ich natürlich auf das Konzert vom Kulturverein gegangen (lacht).

Fühlen Sie sich schon ein bisschen wie im Ruhestand?

Nein. Noch nicht. Ich denke, ich bin noch in einer Art Übergangsmodus. Ich habe bis zum letzten Tag gearbeitet, die mir übertragenen Aufgaben erledigt. Das war mir sehr wichtig. Meinen Schreibtisch räume ich erst jetzt in diesen Tagen auf. Das fühlt sich ein bisschen wie ein Umzug in eine andere Zeit an. Ende der Woche bin ich dann damit durch, habe meine Berufstätigkeit beendet und beginne den neuen Lebensabschnitt.

Worauf freuen Sie sich in Ihrem Ruhestand am meisten?

Ich werde es als absolutes Privileg empfinden, über meine Zeit frei verfügen zu können (lacht). Auf diese Freiheit freue ich mich. Mich interessieren ja so viele Themen und Dinge. Mir wird bestimmt nicht langweilig werden. Ich denke, dass ich alles ent- aber auch gespannt auf mich zukommen lassen werde. Ich werde bestimmt wieder mehr Sport machen. Und endlich wieder richtig viel lesen! Und ich freue mich auf meine Ehrenämter, um die ich mich dann erst so richtig kümmern kann. Ja, Freiheit geht auch immer mit Verantwortung einher, aber diese kann ich locker tragen. Ich bin ja nicht nur für mich da, sondern möchte etwas von dem Glück im Leben, das ich hatte, anderen zurückgeben. Vielleicht klingt das etwas abgedroschen. Aber das ist wirklich so. Ich bin katholisch erzogen. Wir müssen etwas zurückgeben, von dem Glück, von der Freude, ja vielleicht auch von den Talenten, die man mitbekommen hat. Damit man das, was man hat, auch wirklich genießen kann.

Was werden Sie vermissen?

Den direkten Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen. Das wird mir sehr fehlen. Dieser Austausch und das Gefühl, gemeinsam im Team etwas zu bewegen.

Und was gar nicht?

Hm. Ich weiß nicht. Mein Job war ja auch mit vielen Anstrengungen verbunden. Aber das gehört dazu. Das war für mich eher bereichernd. Gemeinsame Anstrengungen können sehr befriedigend sein. Vielleicht sage ich mal, wenn ich in der Zeitung lese, was nicht so gut gelaufen ist: „Gott sei Dank muss ich mich darum nicht mehr kümmern.“

Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit in der Verwaltung mit?

Dass ich glücklich war mit dieser Tätigkeit. Was wir, meine Kolleginnen und Kollegen, gemacht haben, war, wie ich immer sage, Verwaltungskunst: mit geringen Ressourcen auszukommen und dennoch für die Bürger das Beste herauszuholen.

So richtig Ruhestand ist ja dennoch nicht. Seit Frühjahr dieses Jahres sind Sie Vorsitzende des Pinneberger Kulturvereins. Was haben Sie in dieser Funktion vor?

Ich bin neben meiner Vorstandstätigkeit im Verein Pinneberger Kinder auch noch in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sportämter tätig. Aber das endet turnusmäßig im Jahr 2020. Ich finde, wir sind im Kulturverein sehr gut aufgestellt. Da muss man sich keine großen Sorgen machen. Er existiert schon mehr als 30 Jahre. Ich muss und will da nichts umkrempeln. Wir sind eine großartige Truppe. Wir werden uns gemeinsam weiterentwickeln und überlegen, wo wir in den nächsten Jahren hinwollen, welche Partnerschaften wir verstärken wollen und ob man etwas Neues macht oder sogar etwas reaktiviert. Früher gab es zum Beispiel Lesungen. Warum eigentlich nicht heute?

Glauben Sie, dass die Ernst-Paasch-Halle Kulturzentrum werden wird?

Als Kulturvereinsvorsitzende gesprochen: Ja, das wünschen wir uns sehr! Als Verwaltungsangestellte war eine meiner letzten Amtshandlungen die Erstellung einer Vorstudie für eine Kulturkonzeption. Diese beschäftigt sich auch mit der generellen Frage, ob sich für Pinneberg eine Kulturkonzeption lohnt. Ich kann nur sagen: Ja, tut es! So eine Kulturkonzeption würde auch den Bestand erfassen und auflisten, was es alles an Kultur in unserer Stadt gibt. Und das ist viel mehr, als man denkt. Auch ein Erntedankfest gehört z. B. unter dem Gesichtspunkt der Heimatpflege dazu.

Feiern Sie noch einmal im Familienkreis?

Ja, tatsächlich ist ein kleines Fest geplant. Wir feiern dieses Jahr vier Jubiläen: Ich bin 65 geworden und bin in Rente gegangen, mein Mann ist bereits im letzten Dezember 75 geworden und auch seine Silbermedaille im Stabhochsprung bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Wir hatten dazu kürzlich eine Wiedersehensfeier aller Medaillengewinner von vor 50 Jahren in Berlin, die vom Deutschen Olympischen Sportbund organisiert wurde. All das nehmen wir zum Anlass, um privat darauf anzustoßen.

Zur Person:

Traudchen Perrefort (*1953) wuchs in Gronau-Epe (Westfalen) nahe der deutsch-holländischen Grenze im Münsterland auf. Nach der Handelsschule begann sie eine Ausbildung zur Verwaltungsangestellten in ihrer Heimat Epe. 1973 wechselte sie nach Münster. Anfang der 1980er studierte sie parallel zu ihrer Berufstätigkeit an der Pädagogischen Hochschule. Obwohl sie gern ins Lehramt wechseln wollte, blieb sie wegen der damals herrschenden Lehrerschwemme bei der Verwaltung. 1988 las sie eine Stellenausschreibung für die Amtsleiterstelle des Amtes für Schule, Kultur, Sport und Jugend in Pinneberg. Sie bewarb sich und wurde in Pinneberg als erste Frau in eine Amtsleiterposition berufen. Bis 2016 leitete sie diesen Fachbereich, bevor sie die Stabsstelle „Strategische Konzeptentwicklung“ übernahm und maßgeblich den neuen Sportentwicklungsplan mitgestaltete. 2018 wurde sie zur neuen Vorsitzenden des Pinneberger Kulturvereins gewählt. Seit 2004 ist sie mit der Stabhochsprunglegende Claus Schiprowski verheiratet, den sie 1994 bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sportämter kennengelernt hatte. In ihrer Freizeit macht sie gern Sport und besucht regelmäßig das Fitnessstudio.

05.10.2018

Fotos: Privat, Birgt Schmidt-Harder (1)

Diesen Artikel teilen

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on pinterest
Share on linkedin
Share on xing
Share on tumblr
Share on print

Auch interessant

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on pinterest
Share on xing
X