Pinneberg Citymanagerin Ann-Kristin Borcherding
Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Interview mit Pinnebergs neuer Citymanagerin Ann-Kristin Borcherding

Ann-Kristin Borcherding ist seit Anfang 2019 Geschäftsführerin des Vereins Stadtmarketing/Citymanagement und damit Citymanagerin der Stadt Pinneberg. Mit der Pinnebergerin sprach sie über ihren ersten Arbeitstag, was sie gerade so macht, worauf sie sich freut und warum eine Stadt wie Pinneberg ein gutes Marketing braucht.

Liebe Frau Borcherding, wie war Ihr erster Arbeitstag?

Ich habe am 2. Januar angefangen. Meine liebe Kollegin Sandra Gürtler, die ja hier bis zu meinem Dienstbeginn allein die Stellung gehalten hat, hat mich sehr nett, offen und freundlich aufgenommen. Den ersten Stunden habe ich dann mit dem üblichen Orga-Kram wie bei jedem anderen Job auch verbracht: Account einrichten, Schlüssel bekommen, Visitenkarten bestellen (lacht). Als erstes hatte ich die Ergebnisse der Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung auf dem Tisch, die mein Vorgänger Dirk Matthiessen in Auftrag gegeben hatte. Die 172 Seiten habe ich durchgearbeitet und bin dann anschließend durch die City von einem Geschäft zum anderen gegangen, um mich vorzustellen. Ich war zum Beispiel bei Kunstmann Mode & Sport, beim Bücherwurm, bei Homann Lederwaren und auch im Modehaus Glindmeyer. Alle haben mich überall ausgesprochen nett begrüßt.

Einarbeiten und Menschen kennenlernen

Sie sind bestimmt dabei, sich tief einzuarbeiten. Was machen Sie gerade so?

Ich lese und arbeite die Unterlagen durch und bin immer noch dabei, viele Leute kennenzulernen. Parallel besuche ich viele Abendveranstaltungen, um mich mit den politischen und Wirtschaftsvertretern, den Institutionen und den zahlreichen Vereinen bekannt zu machen. Mich hat sehr beeindruckt, wie viele Menschen sich in und für Pinneberg engagieren. Jeder Dritte, hörte ich. Das finde ich großartig. Das ist etwas, auf das diese Stadt sehr stolz sein kann. Parallel plane ich gerade zusammen mit Sandra Gürtler den nächsten verkaufsoffenen Sonntag am 28. April, der unter dem Motto „Fahrradfrühling“ steht. Wir verpassen ihm just den letzten Feinschliff.

Aktionstag „Pinneberg macht sauber!“

Sind Sie schon Feuer und Flamme für ein besonderes Projekt?

Oh ja! Am 23. März findet ein Aktionstag statt, der mir besonders am Herzen liegt. Er heißt „Pinneberg macht sauber!“. Wir vom Stadtmarketing suchen für diese alljährliche Frühjahrsputzaktion noch viele fleißige Helfer, die die Stadt gemeinsam mit uns von Unrat befreien möchten (s. u.). Handschuhe und Müllbeutel werden gestellt, im Anschluss gibt es einen kleinen Imbiss bei Meusel’s Landdrostei als Dank für alle Helfer. Kommen Sie vorbei und machen Sie mit! Gerade im Zuge der aktuellen Plastikdiskussion finde ich es sehr wichtig, dass auch wir hier vor Ort ein Zeichen setzen und der Natur etwas Gutes tun. Bei „Pinneberg macht sauber!“ kann jeder einen Teil dazu beitragen und das Stadtbild sofort und sichtbar verbessern. Und es ist eine schöne Gelegenheit, uns alle kennenzulernen. Ich sammle auch mit. Und bringe Jack (8) mit – meinen Hund. Und natürlich viele Hundebeutel!

Kurze Wege und viel Grün

Was gefällt Ihnen an Pinneberg?

Pinneberg ist so herrlich grün! Das finde ich wunderbar. Und so kompakt. Mir gefällt sehr, dass man überall zu Fuß oder mit dem Rad schnell hinkommt. Man ist schnell im Fahlt, schnell in der City, schnell im Rosengarten, im Schwimmbad und im Beachclub. Das ist großartig. Und mir gefällt, dass man hier das eine oder andere Gesicht erkennt, wenn man unterwegs ist. In Hamburg passiert so etwas fast nie. Da ist man ja schon überrascht, wenn der, der einem entgegenkommt, mal „Hallo“ sagt. Einen Lieblingsort habe ich noch nicht. Dafür gibt es in Pinneberg und in der Umgebung noch viel zu viel zu entdecken. Und vielleicht hat der eine oder andere Pinneberger ja einen Geheimtipp für mich, was ich mir auf keinen Fall entgehen lassen darf.

Extravagantes Kleinkunstfestival dieses Jahr

Pinneberg ist reich an Veranstaltungen. Auf welches Event sind Sie besonders gespannt?

Auf das Kleinkunstfestival. Auf dem war ich aus beruflichen Gründen leider noch nie. Aktuell sind wir bei der Künstlerfindung. Und ich bin schon jetzt begeistert. Und verrate Ihnen nur so viel: Sie erwartet ein sehr extravagantes Kleinkunstfestival in diesem Jahr! Dann freue ich mich auf das Quellentalfest der NeuenGeWoGe. Das Quellental ist ja so etwas wie die kleine Schwester der City. Und den Bildern nach, die ich gesehen habe, ist es ein richtig tolles Stadtteilevent. Und auf keinen Fall möchte ich das Waldenauer Erntedankfest verpassen. Ich bin zwischen Minden und Hannover aufgewachsen. Dort gibt es etwas Ähnliches. Das habe ich als Kind sehr geliebt.

„Was ist toll an unserer Stadt?“

Warum braucht ein Mittelzentrum wie Pinneberg gutes Marketing?

Weil es die Identität der Stadt kommunizieren und die Akteure in den Fokus rücken kann. Wir müssen darüber reden: Was ist toll an unserer Stadt? Was ist unser USP – also unser Alleinstellungsmerkmal? Worauf können wir stolz sein? Und lasst uns diesen Stolz gemeinsam mit allen wichtigen Akteuren wie zum Beispiel der Wirtschaftsgemeinschaft entwickeln, wecken und stärken. Denn wenn die Einwohner ihre Stadt mögen und stolz auf sie sind, reden sie gut über sie. Mir drängt sich manchmal der Eindruck auf, dass die Pinneberger ganz kleinlaut werden, wenn sie nach Hamburg kommen. Warum? Man kann auch hier gut essen und einkaufen gehen. Ich würde gern dazu beitragen, Pinneberg zu stärken. Und zwar von Nord bis Süd und von Ost nach West. Und die anderen Bereiche wie die Flensburger Straße, den Westring oder das Quellental miteinbeziehen. Lassen Sie uns größer denken. Über die Innenstadt hinaus. Pinneberg ist bereit, sich neuen Dingen zu öffnen. Das Food Truck Weekend, das mein Vorgänger noch installiert hat, ist das beste Beispiel.

Pinneberg Citymanagerin Ann-Kristin Borcherding
Pinnebergs neue Citymanagerin: Ann-Kristin Borcherding.

Emotionen vermitteln

Was kann gutes Marketing leisten?

Es kann das Gefühl der Menschen beeinflussen. Und es positiv bestärken. Und Emotionen vermitteln. Wenn die Menschen ihre Stadt mögen und stolz auf sie sind, kommt der Rest von ganz allein. Und ich bin sehr offen für Ideen und Anregungen. Kommen Sie auf uns zu. Reden Sie mit Ihrem Stadtmarketing. Sagen Sie uns, was Ihnen fehlt, was Sie sich wünschen, was Sie brauchen.

Die Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung liegt vor. Pinneberg liegt im Mittelfeld. Insgesamt sind 73,7 Prozent der Meinung, dass die Innenstadt keinen hohen Unterhaltungswert habe. Sie haben gesagt: „Das Shoppen muss zum Erlebnis werden.“ Wie könnte das gelingen?

Nur kurz zur Präzisierung: Der Unterhaltungswert bezieht sich nicht auf die Veranstaltungen hier. Mit denen sind die Menschen sehr zufrieden (mehr als 74 Prozent) und zwar sowohl von inner- als auch von außerhalb. Sie wünschen sich aber mehr Vielfalt bei den Geschäften, in der Gastronomie und ein Kino. Ein Mittel könnte sein, den Menschen klar zu machen, dass der Weg nach Pinneberg sich lohnt. Nur wegen eines verkaufsoffenen Sonntages ist noch keiner hergekommen. Man braucht ein Rahmenprogramm dazu. Ich habe verschiedene Konzepte im Kopf, die aber zunächst ausführlich mit den Beteiligten besprochen und von ihnen geprüft werden müssen. Und das geht auch nicht ohne Mittel, Sponsoring und Investoren. Ein Late Night Shopping könnte so eine Idee sein.

Marketing-Mix

Was kann eine Stadt wie Pinneberg von den Marketing-Strategien zum Beispiel einer Wohnmeile lernen?

Dass es beim Marketing auf einen optimierten Mix ankommt. Die Wohnmeile hat es geschafft, präsent in den Köpfen und flexibel bei den Veranstaltungen zu sein und diese so zu legen, dass sie nicht mit anderen kollidieren. Das finde ich sehr gelungen. Wir in Pinneberg haben uns bislang nur auf Printwerbung und Straßenplakate verlassen. Das reicht aber heute nicht mehr. Wir müssen das Internet nutzen, kostenlose Plattformen, die sozialen Medien, den Funk, Großflächenwerbung und die Schaufenster der Geschäfte. Und es schadet auch nicht, mal witzig und unterhaltsam zu sein. Oder das eine oder andere Video zu posten.

Persönlich. Ehrlich. Anders.

Sie haben beim Pinneberger Ortsverein der SPD laut darüber nachgedacht, Pinnebergs Werbeauftritt zu überdenken. Geht es da auch um das rote P und das Motto „Persönlich. Ehrlich. Anders.“?

Nein. Das rote P finde und den Claim finde ich sehr gelungen. Damit hat mein Vorgänger eine hervorragende Arbeit geleistet. Wir sollten unser Motto nur noch größer machen und es noch mehr nach außen tragen. Bis heute kennt die Hälfte aller Pinneberger das rote P und das dazugehörige Motto. Das bedeutet: Das Markenbild hat sich gut etabliert. Aber das bedeutet auch: Da ist noch Luft nach oben. P und Motto müssen noch bekannter werden – auch im Umland. Schön wäre, wenn die Menschen beim Anblick des roten P sofort denken: „Ach Mensch, das ist doch in Pinneberg.“

Glauben Sie, dass wir noch mehr Veranstaltungen vertragen können?

Nicht unbedingt mehr. Aber vielleicht ein bisschen versetzter, damit wir den Spannungsbogen vergrößern und auch noch Raum und Mittel für Neues bleiben.

Zur Person

Ann-Kristin Borcherding (*1985) ist seit dem 1. Januar Geschäftsführerin des Vereins Stadtmarketing/Citymanagement und damit Citymanagerin der Stadt Pinneberg. Nach einer kaufmännischen Ausbildung in Minden ging sie 2006 zu Möbel Schulenburg nach Halstenbek. Dort begann sie als kaufmännische Sachbearbeiterin und wechselte nach wenigen Monaten ins Marketing. Zunächst war sie als Assistentin tätig, dann als Marketing Managerin, dann als Projekt- und Eventmanagerin, danach als Teamleiterin und zuletzt als Regional-Marketingleiterin für Hamburg und das Umland. In ihrer Freizeit geht Ann-Kristin Borcherding gern joggen oder trifft sich mit Freunden und kümmert sich mit ihrem Lebensgefährten um Mischlingsrüden Jack (8).

www.stadtmarketing-pinneberg.info

Save the Date:

  • 23. März, ab 9.45 Uhr auf dem Drosteiplatz bis 12 Uhr: Aktionstag „Pinneberg macht sauber!“. Müllsäcke, Handschuhe und Greifer werden zur Verfügung gestellt. Danach gibt es für alle Helfer einen kleinen Imbiss. Zur besseren Planung bittet das Stadtmarketing um Anmeldung bis zum 15. März unter 04101 / 858 91 83 oder info@stadtmarketing-pinneberg.info. Kurzentschlossene sind auch herzlich willkommen.
  • April, ab 13 Uhr: Verkaufsoffener Sonntag und Fahrradfrühling in der Pinneberger City

Fotos: Birgit Schmidt-Harder

22.02.2019

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