Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Kann man sich vor Krebs schützen?

Krebs – ein Wort, das unser aller Ängste weckt. Doch die Erkrankung muss kein unausweichliches Schicksal sein. Dr. med. Lana Harder (großes Foto), Fachärztin für Humangenetik und Inhaberin des Instituts für Tumorgenetik Nord in Kiel, erklärt, wie eine Krebserkrankung entsteht und wie wir ihr vorbeugen können.

Oft liegt die Ursache in unserem Lebensstil

Frau Dr. Harder, ist eine Krebserkrankung Schicksal?
Nein. Zahlreiche Studien aus den vergangenen Jahren zeigen, dass zahlreiche Krebserkrankungen auf unseren Lebensstil zurückzuführen sind: Fett- und kohlenhydratreiche  Ernährung, Rauchen, mangelnde Bewegung und Übergewicht begünstigen einen Stoffwechsel, der toxische Moleküle entstehen lässt. Diese Moleküle können Gendefekte (sog. Mutationen) im Erbgut einer Zelle verursachen, die wiederum entzündliche  Erkrankungen und auch Krebs nach sich ziehen. Da wir die meisten schädlichen Substanzen über Darm und Lunge aufnehmen, treten in unserem Kulturkreis Darm- und Lungenkrebs am häufigsten auf.

Genetische Beratung schafft Klarheit

 Kann Krebs vererbt werden?
Ja. Einige Menschen wie zum Beispiel die Schauspielerin Angelina Jolie tragen von Geburt an Gendefekte in sich, die die Entstehung einer Krebserkrankung direkt begünstigen. Andere haben Genvariationen, die Krebs indirekt begünstigen, weil sie die Abwehrkräfte der Zellen schwächen.

Wenn meine Mutter Brustkrebs hatte, bekomme ich das auch?
Wie hoch das Risiko des einzelnen ist, kann nur durch eine genetische Beratung und gegebenenfalls eine darauffolgende molekulargenetische Diagnostik geklärt werden. Die Erbanlage, die wir haben, erben wir sowohl von unserer Mutter als auch von unserem Vater. Das heißt, wir tragen von jedem Gen zwei Kopien in uns. Ist nun zum Beispiel die Gen-Kopie von unserer Mutter von einer Brustkrebs-Mutation betroffen, bleiben wir so lange gesund so lange die Gen-Kopie des Vaters intakt ist. Diese wird aber mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 80 Prozent auch krank, weil eine Zelle, die bereits mutierte Gene trägt, sich nicht mehr gut gegen neue Mutationen wehren kann. Wenn beide Gen-Kopien dann von einer Mutation getroffen sind, wird aus einer gesunden Zelle eine Tumorzelle. Falls eine Frau tatsächlich eine zum Beispiel für den Brustkrebs ursächliche Genmutation trägt, besteht für sie eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken.

Widerstandsfähigkeit der Zellen stärken

Kann man dagegen etwas tun?
Ja. Im Institut für Tumorgenetik Nord empfehlen wir Mutationsträgern dringend zwei Maßnahmen. Erstens: regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen machen lassen, deren Häufigkeit und Intensität an das individuelle  Risiko angepasst sind. Das ist enorm wichtig, weil die Heilungschancen in beginnenden Krebsstadien viel besser sind. Und zweitens: vorbeugen. Vorbeugen kann man, indem man die Widerstandsfähigkeit der Zellen unterstützt und dadurch das Risiko für das Auftreten einer Mutation in der zweiten Gen-Kopie senkt.

Stoffwechsel aktivieren

Wie kann man denn die Widerstandsfähigkeit seiner eigenen Zellen stärken?
Menschliche Zellen haben ein sehr kompliziertes, mehrstufiges System, das uns vor krebsauslösenden Mutationen schützt. Wichtigster Baustein dieses Schutzsystems sind Enzyme. Je höher die Aktivität der Enzyme, desto größer der Widerstand unserer Zellen gegen Mutationen. Wie aktiv und gut diese Enzyme arbeiten, ist genetisch vorprogrammiert. Bei manchen von uns beträgt die Enzymaktivität 100 Prozent und bietet dadurch einen exzellenten Schutz. Bei anderen liegt diese Aktivität jedoch nur bei der Hälfte oder ist gar nicht vorhanden. Wer eine geringe Enzymaktivität hat, kann diese durch die in Obst und Gemüse vorhandenen Enzyme aktivieren, unterstützen und zum Teil sogar ersetzen. Durch viel Flüssigkeit und regelmäßige körperliche Aktivität kann außerdem der Stoffwechsel aktiviert und die Enzymproduktion verstärkt werden. Wer sich daran hält, erhöht die Chancen, gar nicht erst zu erkranken.

Reichen die von den Kassen empfohlenen Krebsvorsorge-Untersuchungen aus, um Krebs möglichst früh zu entdecken?
Diese Maßnahmen sind auf jedem Fall sehr sinnvoll, was zahlreche Studien inzwischen belegt haben. Allerdings stelle ich bei Beratungen immer wieder fest, dass die Patienten dieses Angebot nicht oder nur selten in Anspruch nehmen oder genommen haben. Dabei ist für jeden von uns ganz besonders wichtig.

Weitere Informationen:

http://www.tumorgenetik-nord.de

14.08.2018

Foto: Institut für Tumorgenetik Nord

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