STAGE ENTERTAINMENT: Szene aus GHOST - Das Musical im Stage Opettenhaus in Hamburg am 25.10.2018. Photo: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen
Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Lohnt sich „Ghost – Das Musical“ in Hamburg?

Okay, ich gebe es zu. „Das kann gar nicht gut werden“, habe ich gedacht. „Ghost – Nachricht von Sam“ als Musical auf der Bühne? Never ever. Sie müssen verstehen: Ich bin ein Mädchen der 1980er. Und für uns ist Patrick Swayze († 2009) ein Gott. Erinnern Sie noch an die beiden Schlüsselsätze aus „Dirty Dancing“? „Tu, was ich Dir sage“ und „Mein Baby gehört zu mir“? Jesus…

Ein Film von 1990

Und dann „Ghost – Nachricht von Sam“, Filmstart 1990 in Deutschland. Da war ich gerade mal 19. Und die Töpferscheiben-Szene so ziemlich das Heißeste, was ich bis dahin überhaupt jemals gesehen hatte. Niemals wieder war eine Kurzhaarfrisur sexier als die von Demi Moore (55), niemals wieder glaubten wir so sehr an ein Leben nach dem Tod wie nach diesem Film.

Und das soll jetzt auf die Musical-Bühne?

Wie gesagt: unmöglich.

Dann ging der Vorhang auf

Bis zu Dienstagabend. Ich saß im Stage Operettenhaus auf dem Hamburger Kiez. Ich mag das Haus sehr. Es und mich verbindet ein halbes Leben. Mein erstes Musical – „Cats“ natürlich, Kind der 1980er, Sie verstehen – habe ich dort gesehen.

Ich war ein bisschen enttäuscht. Der Zuschauerraum sah nicht so, als werde er wie sonst oft in das Stück mit einbezogen. „Filmvorlage halt“, dachte ich.

Und dann ging der Vorhang auf.

Man vergisst Patrick Swayze einfach

Auftritt Molly (Roberta Valentini), Sam (Nikolas Heiber, für die Erstbesetzung Riccardo Greco) und der herrlich verlogene Carl (John Vooijs).

Und von der Sekunde an konnte ich mich leider nicht mehr erinnern, wie Patrick Swayze aussieht. Ich vergaß ihn einfach. Und den Film gleich mit.

Großartig besetzt

Dieses Musical, das muss man sagen, ist großartig besetzt. Stimmlich sowieso. Schauspielerisch erst recht. Die drei da oben sind so präsent und intensiv, dass Hollywood sich ruhig eine Scheibe davon abschneiden könnte.

Das liegt auch an der Musik. Natürlich gibt es ein Ghost-Theme – Sie wissen schon, dieser unerträglich klebrige Schmusesong „Unchained Melody“ von den Righteous Brothers, der läuft, wenn Sam und Molly mit dem Ton rumspielen…

Überragend: Die Wahrsagerin

Aber im Musical spielt er nur eine Nebenrolle. Weil er so langsam ist. Zu langsam. Dieses neue „Ghost“ dagegen ist fetzig, schnell, abwechslungsreich, poppig mit jeder Menge Synthie-Sound. Dave Stewart (Eurythmics) und Glen Ballard („Man in the Mirror“) schrieben extra 24 neue Songs dafür.

Überragend: Der erste Auftritt von Wahrsagerin Oda Mae Brown (Marion Campbell) mit ihren beiden Schwestern, wie sie der armen Mrs. Santiago einen Geisterbären nach dem anderen aufbinden. Marion Campbell hat genauso viel schwarze Stimmwucht wie nötig, genug Ähnlichkeiten in der Performance mit Whoopi Goldberg wie man erwartet und doch so viel eigenes, das auch hier der Vergleich mit dem Original wie von selbst aufhört.

Optischer Genuss Bühnenbild

Gigantisch: Sams Begegnung mit dem U-Bahn-Geist, der ihm zeigt, wie man Dinge bewegt. Genauso viel bewegt sich übrigens auch auf der Bühne – lassen Sie sich überraschen.

Überhaupt die Bühne! Ein einziger optischer Genuss: zuerst fast clean mit betonfarbenen Pfeilern, die eher nach Industrie als nach New York aussehen. Doch dann die perfekte Projektionsfläche für optische Effekte, die das Grau wie von Geisterhand in Wohnraum, Büro, einsame Straße oder U-Bahnstation verwandeln.

„Ghost“ unmöglich als Musical auf der Bühne?

Äh. Nicht. Im Gegenteil.

Noch bis zum 13. Januar

Wenn Sie die Gelegenheit haben, gehen Sie hin.

Es ist dieses Mal eine recht exklusive Angelegenheit. „Ghost – Das Musical“ läuft insgesamt nur elf Wochen bis zum 13. Januar in der Hansestadt.

Tickets gibt es unter

https://www.stage-entertainment.de/musicals-shows/ghost-hamburg.html

Viel Spaß!

Fotos: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

02.11.2018

Diesen Artikel teilen

Auch interessant

X