Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Mirabellen-Geheimnisse

Geheimnisse muss man bewahren, sagt man. Im Prinzip sehe ich das auch so (also, wenn‘s ein gutes Geheimnis ist – das sage ich zumindest immer den Kindern). Aber andererseits …

Meine Nachbarin hat ein Geheimnis. Seit neun Jahren schon – solange kenne ich sie – hütet sie es wie die Auster ihre Perle.

Das macht mich VERRÜCKT!

Und ich krieg‘s einfach nicht aus ihr heraus.

Es fing an, als wir hergezogen sind. Ich putzte gerade Fenster, als sie mir ein Glas selbstgemachte Marmelade brachte. Aber nicht irgendeine. Nein.

Mi-ra-be-len-mar-me-la-de!!!

Haben Sie jemals echte, selbstgemachte Mirabellenmarmelade gekostet? Das ist wie die Sonne küssen.

„Oh“, sagte ich, „ihr habt einen Mirabellenbaum im Garten?“ und schielte unauffällig über ihre Schulter.
„Nein.“ Sie lächelte. „Aber ich weiß, wo einer steht.“ Zwinker, zwinker.
Ich zwinkerte interessiert zurück.
„Ach ja? Wo denn?“
„Das verrate ich nicht!“
Schwups, war sie weg.

Seitdem foltert sie mich freudig und bringt mir jedes Jahr ein neues Glas, nur um sich an meiner Neugierde zu ergötzen. Natürlich ist klar, dass man niemals nie seine besten Pflückstellen für Schlehen, Flieder- und Brombeeren verrät. Aber hey, ich bin‘s, die Nachbarin! Soll ich etwa jeden Knick und jedes Heckloch abfahren? Blumen gießen ist ok, aber Baum teilen nicht? Also echt!

Such‘ ich mir halt selbst ‘nen Baum.

Und wissen Sie was? Ich habe einen gefunden! Wenn Sie Richtung Appen-Etz fahren und dann rechts in die Straße … Ja, von wegen.

Nix da! Meiner!

22.07.2018

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