Neues aus der Parkstadt Eggerstedt Pinneberg sicherfliegen.com
Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Neues aus der Parkstadt Eggerstedt

Auch wenn sie immer mal wieder mit einer kleinen Schneeschicht bedeckt ist – darunter wächst die Parkstadt Eggerstedt und gedeiht. Auch im Winter.

Rund sieben Hektar ist der neue Pinneberger Stadtteil groß, und wer durch ihn und durch das im Entstehen begriffene neue Gewerbegebiet (circa 30 Hektar) hindurchfährt, oder wie viele am Wochenende die neuen Wege für einen Spaziergang nutzt, kann kaum glauben, dass der erste Spatenstich erst knapp vier Jahre (22. Mai 2015) her ist.

Wohneinheiten, internationale Schule, Rettungswache

250 neue Wohneinheiten wird es bald geben, die 74 Einzelhäuser stehen alle schon bis auf drei, vier Ausnahmen. Der International School Campus – die einzige internationale Schule in Schleswig-Holstein übrigens – freut sich über stetig steigende Schülerzahlen und die WABE-Kita Parkstadt über nahezu restlos vergebene Plätze. Die neue Rettungswache Pinneberg-West steht, die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) hat die ersten Wagen eingestellt und schiebt schon seit Dezember Dienst.

Die Firmen ziehen ein

Auch schon emsig am Werden: das Gewerbegebiet gegenüber dem International School Campus. Zwei weitere Neubauten sind nun fertiggestellt, eine Firma ist schon eingezogen, die nächste folgt Mitte Februar.

Die Pinnebergerin hat zusammen mit Björn Wendt von www.sicherfliegen.com aktuelle Luftaufnahmen gemacht, um Ihnen zu zeigen, was sich wo alles so getan hat, und mit den gewerblichen Neuansiedlern gesprochen. Zusätzlich gibt Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg Auskunft über den aktuellen Entwicklungsstand und erklärt, was die Parkstadt Eggerstedt und die neue Westumgehung gemeinsam haben. Und was nicht.

 

Seit Frühjahr 2014:
Heiz24

Heiz 24 Photonamic Pinneberg

Wer in die Parkstadt Eggerstedt kommt, kommt im wahrsten Sinne des Wortes an dieser Firma nicht vorbei: Heiz24 war das erste Unternehmen, das sich auf dem ehemaligen Kasernengelände gewerblich angesiedelt hat.

Seit 2014 residiert Heiz24 in dem ersten gelben und lang gestreckten Klinkerbau Ecke Thesdorfer Weg/Heideweg auf einem insgesamt circa 5300 Quadratmeter großen Areal. Hinter dem kurzen Namen verbirgt sich ein international tätiges Unternehmen, das auf den Vertrieb von neuen und gebrauchten Heizungssteuerungsanlagen, Lüftungen und Solartechnik spezialisiert ist. Und das 2009 in Rellingen von dem Unternehmer Matthias Falkenberg gegründet wurde.

2015 stieg dessen Bruder Kay mit ein. 2017 kauften die Falkenbergs dann zusätzlich noch das legendäre Haus 3, das ehemalige Zeughaus der Bundeswehr. Es ist der prägnante gelbe Bau mit den roten Fenstern gleich rechter Hand, wenn man in die Parkstadt hineinfährt.

„Wir brauchten weitere Expansionsfläche“, sagt Matthias Falkenberg. „Deswegen haben wir Haus 3 dazu gekauft und es umgebaut, um für unsere Innovationen und neuen Ideen Platz zu schaffen. Andere Flächen wie zum Beispiel im ersten Obergeschoss sind schon vermietet.“

Mittlerweile hat der Spezialist für neue und generalüberholte Steuerungsanlagen 26 Mitarbeiter, ist anerkannter Ausbildungsbetrieb und würde personell gern weiter wachsen. „Wir suchen Systemelektroniker – gern auch als technisch ambitionierte Quereinsteiger“, sagt Matthias Falkenberg. Auf geht’s – bewerben Sie sich.

Heiz24
Thesdorfer Weg 112
Pinneberg
Tel.: 041 01 / 85 87 70
info@heiz24.de
www.heiz24.de

 

Seit 5. September 2016:
Der International School Campus (ISC)

Internationaler Schulcampus Pinneberg Wabe

Er war einer der ersten, der seine Türen in der neuen Parkstadt Eggerstedt öffnete: der International School Campus (ISC) des Hamburger Vereins und Bildungsträgers WABE. Gegründet 2015 nahm er am 5. September 2016 seine Arbeit auf. Aktuell besuchen 165 Schüler aus 23 Nationen den hochmodernen und wunderschön gelegenen ISC. Knapp zwei Drittel stammen aus Pinneberg und dem Kreis Pinneberg, die übrigen kommen von außerhalb. Das Kollegium umfasst zurzeit 21 Lehrerinnen und Lehrer sowie sieben sogenannte Teaching Assistants. Aktuell werden die Jahrgänge 1 bis 10 unterrichtet, ab Sommer dann die Jahrgänge 1 bis 11.

Geleitet wird die Schule von Wayne May. Der gebürtige US-Amerikaner war 18 Jahre lang Lehrer und Schulpsychologe an der Internationalen Schule Frankfurt. „Der ISC ist eine Schule für alle“, sagt er. Sein Ziel: „Unseren Schülerinnen und Schülern die bestmögliche Ausbildung für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts mitzugeben und sie auf ihrem Weg zu positiven, engagierten und kreativen Weltbürgern zu unterstützen.“

Das große Gebäude, das jetzt schon steht, soll zusammen mit der benachbarten WABE-Kita Parkstadt (seit 2015) nur der Anfang des Bildungscampus sein. Das in diesem Zusammenhang auf einem benachbarten Grundstück von einem externen Partner ursprünglich geplante Hotel sowie das damit verbundene Internatsgebäude mit Gästehaus, eine Aus- und Weiterbildungsakademie sowie eine Turn- und Schwimmhalle stehen allerdings durch einen Beschluss der Ratsversammlung aktuell zur Disposition. Ein genauer Zeitpunkt für weitere Neubaumaßnahmen steht daher noch nicht fest. „Für uns ist wichtig, dass sich das Wachstum der Schule und die Bautätigkeit analog entwickeln“, sagt Wayne May. „Denn das gemeinsame Wachstum schafft die Grundlage, dass stets eine gute Lernatmosphäre auf dem ISC herrscht.“

Wer Interesse hat: Der ISC bietet alle vier Wochen Informationsabende an. Der nächste findet am 21. Februar um 19 Uhr im ISC statt.

International School Campus
Eggerstedter Weg 19
Pinneberg
Tel.: 041 01 / 80 50 30 0

info@isceducation.de
www.isceducation.de


Seit August 2018:
Photonamic

Photonamic Pinneberg

In den ersten Stock des ehemaligen Bundeswehrzeughauses ist im August 2018 eine Firma eingezogen, die ihresgleichen sucht. Und zwar weltweit. Photonamic heißt sie und wird seit 2008 von dem Molekularbiologen Dr. Ulrich Kosciessa geleitet. 2002 von dem Wedeler Pharmakonzern Medac gegründet gehört sie heute einer japanischen Holding aus Tokio.

Das Besondere an Photonamic sind seine Produkte: Die Firma (15 Mitarbeiter) hat unter anderem eine besondere Aminosäure für die sogenannte photodynamische Therapie und die Fluoreszenzdiagnostik entwickelt, die man bei der operativen Entfernung von Krebs bzw. auch in der Krebstherapie einsetzt. ALA heißt sie, was für das englische Aminolevulinic Acid (dt. Aminolävulinsäure) steht.

Das Geheimnis von ALA? „Sie wird zu einem fluoreszierenden Farbstoff verstoffwechselt und reichert sich in schnell wachsenden Krebs- und Tumorzellen an“, sagt Dr. Ulrich Kosciessa. Unter speziellem Licht, dem sogenannten Blaulicht, leuchtet dieser Farbstoff dann pink auf und markiert so die aggressiven Krebszellen. Krebspatienten trinken vor der OP eine mit ALA angereicherte Flüssigkeit. Wird operiert, kann der Chirurg so das erkrankte pink leuchtende Gewebe von gesundem unterscheiden. Die Folge: „Vor allem in der Gehirnchirurgie sorgt ALA für mehr Genauigkeit, verbessert die Überlebenschancen der Patienten und trägt dazu bei, Krebsgewebe schon im Anfangsstadium zu identifizieren“, so der Molekularbiologe.

Mehr als 60.000 Hirntumor-Patienten wurden bislang weltweit erfolgreich mit ALA behandelt. Die entsprechende Entwicklung hat bislang mehr als 50 Millionen Euro gekostet. Photonamic hat außerdem ein Pflaster entwickelt, das bei der Behandlung von „weißem Hautkrebs“ eingesetzt wird und Operationen ersetzt.

Seit der Zugehörigkeit zu der japanischen Holding (Januar 2016) sind weitere Forschungsprojekte bei Photonamic hinzugekommen. In 2019 steht neben der Weiterentwicklung der operativen Entfernung von Brustkrebs unter Einsatz von ALA auch die Therapie von nicht operablen Hirntumoren im Vordergrund. Im Juni 2019 wird Photonamic anlässlich der Weltkonferenz für Photodynamische Therapie in Boston (USA) ein Symposium zu den verschiedenen Forschungsansätzen organisieren. Die internationale Vernetzung wird weiter vorangetrieben, um möglichst vielen Patienten weltweit ALA verfügbar zu machen.

Photonamic
Dr. Ulrich Kosciessa
Eggerstedter Weg 12
Pinneberg
Tel.: 041 01 / 785 39 09
info@photonamic.de


Seit Dezember 2018:

ehp Umweltplanung GmbH

ehp Umweltplanung

Still und leise ist schon vor Weihnachten 2018 die Firma ehp Umweltplanung GmbH in die Parkstadt eingezogen. Das Team um die drei geschäftsführenden Gesellschafter und Diplom-Ingenieure Jürgen Ehmke, Michael Heine und Rolf Prins umfasst 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deswegen waren die alten Räume im Fahltskamp 81, wo die Firma mehr als 20 Jahre erfolgreich ihren Sitz hatte, auch zu klein. „2017 haben wir uns entschlossen, ein neues Bürogebäude zu bauen, das genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist“, sagt Michael Heine. „Unsere Mitarbeiterin Britt Mommsen, die Architektin ist, entwarf in Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung unseren neuen Firmensitz.“

Doch was macht die ehp Umweltplanung GmbH, die ein Zweigbüro in Stralsund unterhält, denn nun genau? „Wir planen und beraten im Wesentlichen für die öffentliche Hand im Bereich der Wasserwirtschaft“, sagt Michael Heine. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Planung technischer Anlagen für die Abwasserreinigung und Trinkwasseraufbereitung sowie von Ver- und Entsorgungsleitungen. Die ehp Umweltplanung GmbH deckt folgende Fachbereiche ab:

  • Architektur
  • Bautechnik
  • Maschinentechnik
  • Verfahrenstechnik
  • Elektrotechnik
  • Mess-, Steuer- und Regelungstechnik
  • Prozessleittechnik

ehp Umweltplanung GmbH
Eggerstedter Weg 20
Pinneberg
Tel.: 041 01 / 50 90 – 0
mail@ehp-umweltplanung.de
www.ehp-umweltplanung.de

 

Seit Dezember 2018:
Die neue Rettungswache Pinneberg-West der RKiSH

Sie ist eines der wenigen Projekte in Pinneberg, über die nicht lange in der Ratsversammlung gestritten werden musste. Im September 2017 stand nach der jährlichen und üblichen Gutachterüberprüfung der RKiSH fest: Die Rettungswache im Gewerbegebiet Gehrstücken war zu klein geworden. Zur Versorgung aller Einwohner musste ein zweiter Standort gefunden werden, um auch weiter entfernte Einsatzorte schnell zu erreichen. Bürgermeisterin Urte Steinberg schlug einen neuen Standort vor: eine 2.400 Quadratmeter große Fläche am westlichsten Zipfel der Parkstadt Eggerstedt genau neben dem LSE-Kreisel.

Von dort aus sei eine schnellere Versorgung der Bewohner von Pinneberg-Süd mit den Bereichen Rosenfeld, Parkstadt und Vogelsiedlung und über die neue Westumgehung ebenfalls von Pinneberg-Nord möglich. Die bereits bestehende Wache im Gehrstücken solle aber keinesfalls aufgelöst, sondern bestehen bleiben und entlastet werden.

Gesagt, getan. Die Ratsversammlung gab im November 2017 grünes Licht für den Verkauf des Baugrundstücks. Der Baubeginn erfolgte im Frühjahr 2018. Am 18. Dezember 2018 hat die Rettungswache Pinneberg-West ihren Betrieb aufgenommen.

Derzeit sind vier Fahrzeuge an der neuen Wache im Einsatz. „Wir haben dort einen Rettungswagen stationiert, der 24 Stunden täglich besetzt ist“, sagt RKiSH-Sprecher Christian Mandel. „Außerdem zwei weitere, von denen einer zwölf Stunden täglich und der andere zwölf Stunden werktags im Dienst ist.“ Fahrzeug Nummer vier in der Halle ist ein Krankentransportwagen (zehn Stunden werktags). Acht Leute sind somit in der Tagschicht im Dienst, in der Nachtschicht sind es zwei. Geleitet wird die Wache von Sebastian Kubo, der auch den Standort am Gehrstücken führt, und hin- und her pendelt.

Weil die Wache mit Augenmaß und zukunftsorientiert geplant wurde, gibt es nicht nur vier Tore für die jetzt im Dienst befindlichen Fahrzeuge, sondern sechs. „Wir nehmen unseren Auftrag sehr ernst. Sollte sich in der Zukunft herausstellen, dass der Versorgungsbedarf der Bevölkerung steigt, weil Pinneberg beispielsweise wächst, sind wir darauf vorbereitet“, sagt Christian Mandel.

Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) gGmbH
Rungholtstraße 9
Heide
Tel.: 04 81 / 421 14 60
info@rkish.de
www.rkish.de


Ab Mitte Februar 2019:

proLogistik

proLogistik Pinneberg

In wenigen Wochen zieht „ein Neuer“ in die Parkstadt ein. Dann nämlich wird das neue Bürogebäude von proLogistik bezugsfertig sein. Der edle weiße würfelförmige Bau befindet sich direkt gegenüber des International School Campus.

proLogistik (180 Mitarbeiter insgesamt) ist auf die Entwicklung von Hard- und Softwarelösungen für die Lagerlogistik (auch Intralogistik genannt) spezialisiert. Als Intralogistik bezeichnet man die logistischen Material- und Warenflüsse, die sich innerhalb eines Betriebsgeländes – im Gegensatz zum Warenfluss außerhalb eines Geländes – abspielen. „Wir entwickeln zum Beispiel Lagerverwaltungssoftware, individuell und modular aufgebaut“, sagt Unternehmenssprecherin Caroline Pitzer. „Außerdem fertigen wir industrietaugliche Hardware (zum Beispiel Staplerterminals) und sind einer der führenden Anbieter im Bereich der sprachgestützten Dialogsysteme zur Voice-Kommissionierung.“

Hauptsitz von proLogistik ist Dortmund. Dort wurde es 1983 im Technologiepark gegründet. Heute führt Jörg Sänger zusammen mit dem Ehepaar Heidi und Jörg Kühnert die Geschäfte. Heidi Kühnert stammt ursprünglich aus Pinneberg – ein Grund, warum das Unternehmen 1994 eine Zweigniederlassung in Norderstedt aufbaute und ein paar Jahre später nach Rellingen umzog. „Wir finden, dass Ruhrpottler und Nordlichter in Sachen Denke und Bodenständigkeit gut zusammenpassen“, sagt Caroline Pitzer. „Und dank unserer Niederlassung im Norden können wir unsere Kunden dort besser betreuen.“

Denn der Kundenstamm wächst und wächst. Vor drei Jahren vergrößerte proLogistik bereits seinen Hauptsitz durch einen Anbau. Kurz darauf wurde auch in Rellingen der Platz knapp. „Nach langer Suche nach einem passenden Grundstück im Großraum Hamburg haben wir nicht lange gezögert, als sich die Gelegenheit bot, in der Parkstadt zu bauen“, so Geschäftsführer Jörg Sänger.

Die offizielle Einweihung für den Eggerstedter Weg 16 ist für das Frühjahr geplant. „Und dank unserer neuen Räumlichkeiten haben wir nun auch Platz für weitere Kollegen“, sagt Caroline Pitzer. Interesse? Dann gehen Sie doch mal auf der Website schauen. proLogistik sucht u. a. Supportmitarbeiter und Softwareentwickler.

proLogistik
Fallgatter 1
Dortmund

Tel.: 02 31 / 5194-0
info@proLogistik.com
www.proLogistik.com

Und wie geht es weiter?

Doch das war nur der Anfang. Manches braucht seine Zeit. Wie die Pinneberger Westumgehung, deren erstes Teilstück im Dezember 2018 freigegeben wurde. Mehr als 60 Jahre hat die Realisierung gedauert. Was die Frage aufwirft: Wird die Fertigstellung der Parkstadt Eggerstedt auch so lange dauern? Wo doch der Vertrag mit dem Investor Thorsten Schütte von Premero, der ein Luxushotel und vieles mehr bauen wollte, geplatzt ist?

Wir haben bei Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos), deren zweite Amtszeit just am 10. Januar begonnen hat, nachgefragt.

Am 13. Dezember 2018 wurde das zweite Teilstück der Westumgehung eröffnet: Roland Schultz, Fachdienstleiter Verkehrsplanung (von links), Stadtrat Klaus Seyfert (CDU) , Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) und Bauamtschef Klaus Stieghorst.

„Diesen einen Grund gibt es nicht.“

Frau Bürgermeisterin, der Baubeginn der Westumgehung hat 60 Jahre auf sich warten lassen. Warum hat das so lange gedauert?
Die Westumgehung ist seit mehr als 60 Jahren in aller Munde. Die Idee zum Bau dieser Umgehungsstraße ist schon in den späten 1950er Jahren aufgekommen. Konkrete Pläne lassen sich auf die 1980er Jahre zurückdatieren. Diesen einen Grund für das Warum gibt es nicht. Ich persönlich denke, dass es vor allem die sich ständig ändernden nationalen und europarechtlichen Rahmenbedingungen waren. Und natürlich die Proteste und Klagen der Gegner. Seit 2010 gab es einen Planfeststellungsbeschluss für die Trassen zwischen Rosenfeld und Autobahnauffahrt Pinneberg-Nord. Dieser Beschluss war von Anliegerfirmen und Umweltschützern angefochten worden. Erst als das Oberverwaltungsgericht Schleswig 2013 alle Klagen zurückgewiesen hatte, konnte Bewegung in die Sache kommen. Das war unser Glück.

Unerschütterlich an die Realisierung geglaubt

Sie sind nicht die erste Bürgermeisterin in Pinneberg, die sich damit beschäftigt hat. Was haben Sie anders gemacht als Ihre Vorgänger?
Ich habe unerschütterlich an die Realisierung geglaubt. Als das Oberlandesgericht uns Recht gab, habe ich mich voll und ganz auf die Ankäufe der dafür nötigen Flächen konzentriert. Das ging nicht von heute auf morgen. Wir mussten ständig am Ball bleiben, immer wieder nachhaken und viel Vertrauen schaffen. Zu den letzten Grundstückseigentümern Rowa und Rex Maschinenbau haben wir sehr schnell Kontakt aufgenommen. Für die Verwaltung stand im Fokus: Wir wollen ankaufen. Und nicht enteignen. Die Verhandlungen habe ich zur Chefsache erklärt.

Vertrauensverhältnis ungebrochen

Was hat den Durchbruch gebracht?
Als Ur-Pinnebergerin hatte ich schon vor meiner ersten Amtszeit ein großes Netzwerk. Hans-Joachim Schwarzbeck, den damaligen Alleininhaber von Rex Maschinenbau, kannte ich privat. Er ist ein Ehrenmann. Wenn er ein Geschäft hanseatisch mit Handschlag besiegelt, dann ist das für ihn gültig. Das fand und finde ich sehr gut. Für die Fachabteilungen in der Stadt haben Klaus Krämer, Leiter Fachdienst Bauverwaltung und Liegenschaften, und Roland Schultz, Leiter Fachdienst Verkehr, die Ausarbeitung der Details übernommen. Für Firma Rex trat damals noch Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Mecklenburg hinzu. Es wurde intensivst auch noch im Notartermin verhandelt. Eine große Stütze hierbei für die Stadt war Klaus Krämer. Mein Ziel war es, der Ratsversammlung zum 10. Juli 2014 vor der sogenannten Sommerpause den Vertrag vorlegen zu können. Und so ist es auch gekommen. Und das Vertrauensverhältnis zu Hans-Joachim Schwarzbeck ist nach wie vor ungebrochen.

Und ein Quäntchen Glück

Was denken Sie persönlich darüber in der Rückschau?
Dass Hartnäckigkeit, ein gutes Netzwerk, Ausdauer und Fokussierung sich auszahlen. Und dass auch ein Quäntchen Glück nicht schaden kann. Insbesondere bedanke ich mich bei meinen Mitarbeitern Klaus Stieghorst, der im Hintergrund gewirkt hat, Klaus Krämer und Roland Schultz. Ohne deren Unterstützung wäre die Westumgehung nicht möglich gewesen. Mein weiterer Dank gilt der Firma Inros Lackner für ihre ausgezeichnete Projektsteuerung, der Firma Bickhardt Bau für die mehr als gelungene Bauausführung, den politischen Vertretern der Stadt Pinneberg und dem Land Schleswig-Holstein. Und dem Verein Westumgehung jetzt! für ihre so verlässliche Unterstützung über Jahre.

Nächstes Teilstück nach den Sommerferien

Was wird die Westumgehung nun letztendlich kosten?
Das steht endgültig erst bei der Abrechnung am Ende fest. Derzeit rechnen wir mit 36,2 Millionen Euro. Das Land hat rund 20,2 Millionen Euro Fördermittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz Schleswig-Holstein (GVFG-SH) und dem Finanzausgleichgesetz beigesteuert.

Wann dürfen wir uns auf das nächste Teilstück freuen?
Im Quartal nach den Sommerferien, wenn alles planmäßig läuft.

Kein Wachstum ohne Westumgehung

Warum ist die Westumgehung so wichtig für Pinneberg?
Pinneberg gehört zu den wirtschaftlich stärksten Kreisen in Schleswig-Holstein. Und er will wachsen. Uns liegen viele Anfragen von Firmen vor, die händeringend freie Grundstücke in Autobahnnähe suchen. Und nicht zu vergessen sind diejenigen Betriebe, die bislang auf eine kurze Autobahnanbindung verzichten mussten. Denken Sie nur an die Mühlenstraße oder das Gewerbegebiet Am Hafen. Ohne die Westumgehung wäre es nicht möglich, neue Gebiete wie den Ossenpadd oder die Müssentwiete zu entwickeln. Wir können daher jetzt einen ungefähren Zeitplan erstellen, wann die ersten Firmen hier ansiedeln können. Wenn die Konjunktur weiter so gut läuft und die Zinsen niedrig bleiben, wird es jetzt richtig spannend, wer sich ein Gewerbegrundstück sichert und für die eigene Firma bauen wird.

Praktisch aus den Händen gerissen

So wie zum Beispiel in der Parkstadt Eggerstedt?
Ja, genau. Die Parkstadt liegt nun wunderbar angebunden an die Westumgehung. Sie wird damit für Firmen und Investoren zu einem Filetgrundstück unserer Stadt. Die Gewerbegrundstücke sind uns praktisch aus den Händen gerissen worden. 18 Firmen-Gewerbegrundstücke wurden verkauft, davon 16 in der Parkstadt und zwei am Kreisel Westring.

Urte Steinberg und der „kleine“ Spielplatz in der Parkstadt Eggerstedt, der im Spätsommer 2018 fertiggestellt wurde.

Leuchtturmprojekte

Würden Sie sagen, dass die Umsetzung der Parkstadt ähnlich kräftezehrend war wie die der Westumgehung?
Das kann man nicht vergleichen. Die Westumgehung ist ein für die Stadt das mit Abstand wichtigste Infrastrukturprojekt überhaupt, auf dessen Realisierung etliche Betriebe zum Teil jahrzehntelang gewartet haben. Die heutige Parkstadt lag erst seit 2004 seit dem Abzug der Bundeswehr brach. Da ist der Spatenstich im Mai 2015 ja dagegen sehr schnell erfolgt.

Wofür braucht Pinneberg die Parkstadt Eggerstedt?
Als Wohnraum für Familien, die bezahlbaren Wohnraum außerhalb von der Metropole Hamburg suchen. Wir konnten ein Leuchtturmprojekt wie den International School Campus willkommen heißen, weil wir den Platz dafür hatten. Heute ist die Parkstadt eine Erfolgsgeschichte der Stadtentwicklung. Kommunalpolitik und Investoren haben zusammen mit der Verwaltung die richtigen Weichen gestellt.

Ein Geschenk für die Stadt

Nun ist es aber so, dass der Vertrag mit dem Investor Thorsten Schütte vom Hamburger Planungsbüro Premero, der unter anderem ein Luxushotel geplant hatte, geplatzt ist.
Ja. So ist das in einer Demokratie. Die politisch gewählten Vertreter haben entschieden. Die Verwaltung kann und darf nur vorschlagen. Ich persönlich denke, dass ein Investor wie Thorsten Schütte von Premero ein Geschenk für eine Stadt wie Pinneberg ist. Er hat eine Idee, eine Vision. Und er weiß, was er tut. Er hat ein Leuchtturm-Projekt geplant. Etwas, das in Deutschland Vorbildcharakter hätte haben können und Strahlkraft für die gesamte Region, also nicht nur für Pinneberg allein. Diese Chance nicht zu nutzen, halte ich für falsch.

„In Pinneberg wächst Zukunft“

Wie geht es jetzt weiter?
Haben Sie ein bisschen Vertrauen. Gemeinsam haben wir schon vieles geschafft in den vergangenen sechs Jahren. Freuen Sie sich auf die nächsten sechs. Pinneberg ist im Aufwind. Schauen Sie sich um. In Pinneberg wächst Zukunft. Durch Neubau und Sanierung. Im Grünen, mit sehr guter verkehrlicher Anbindung, überschaubar und liebenswert. Und die neue Parkstadt Eggerstedt gehört dazu.

Fotos: Birgit Schmidt-Harder (5), privat (2)
Luftaufnahmen: Björn Wendt, www.sicherfliegen.com

29.01.2019

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