Kolumne Halloween Süßes oder Tödliches, die Pinnebergerin
Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Süßes oder Tödliches?

So, liebe Mitmenschen, wir müssen reden. Gestern war ja Halloween. Ich bin kein Fan, gestehe ich. Aber dieses Mal hat mich der Zauber auch irgendwie gefangen.

Die Kürbisse waren dick, die Kostüme gruselig, die Kinder freundlich und die Auswahl der aufgesagten Sprüche überwältigend (ein Glück! „Wir sind die kleinen Geistern und essen gerne…blabla“ kann ich nicht mehr hören…). Sogar die Horror-Clowns blieben in ihren Verstecken. Bis auf den im Landkreis Leipzig natürlich. Der ist vermutlich immer noch im Krankenhaus, in das ein wütender Vater ihn nach dem Erschrecken seiner Kinder geprügelt hat…

Jedenfalls – bei uns war es friedlich. So schön. Kerzen und Kürbisse überall. Bunte Süßigkeiten in Beuteln und Eimerchen. Ach ja…

Bis heute Morgen um 8.15 Uhr.

Da bekam ich die erste WhatsApp in einer meiner unzähligen Eltern-Gruppen. Sie müssen entschuldigen, ich habe ein bisschen die Übersicht verloren. Zwei Kinder, zwei Schulen, diverse Hobbys – da kommt so einiges an Chats zusammen.

Die Nachricht lautete: „Halloween ist auch nicht mehr wie früher. Mein Sohn hat eine CD von ‚Ost Rock’ im Beutel!“

Wir lachten. Scherzkeks. So was aber auch. Kann ja mal vorkommen.

Dann kam die nächste WhatsApp. „In Blankenese hat ein Kind einen alten Osterhasen und eine Tüte Instant- Nudeln im Beutel gehabt.“

Blankenese? Viertel der Reichen?

Doch weiter im Text:

„In Kaltenkirchen hat jemand Hundefutter in Bonbonpapier eingewickelt und verschenkt.“

Bitte was?

Und dann hab ich gedacht, ich spinne:

„Achtung! In Hamburg wurden gestern an die Kinder Geschirrspüler-Tabs verteilt. !!! Als Halloween Süßigkeiten. Bitte weiter teilen.“

Kann das sein?

Die Polizeidirektion Ratzeburg teilte heute in einer Pressemeldung mit, dass eine Mutter heute Morgen Anzeige erstattet hat. Sie hatte in der Tüte ihres vier Jahre alten Sohnes einen sogenannten Spüler-Tab gefunden. Sie war mit dem Kind gestern in Brunsbek, Ortsteil Papendorf unterwegs gewesen. Der Junge hatte an mehreren Haustüren geklingelt, seinen Spruch aufgesagt und dafür Süßigkeiten bekommen.

Bevor Ihr jetzt durchdreht:

Bislang ist das der einzige angezeigte Fall. Unklar ist, ob auch andere Kinder in der Gegend Spüler-Tabs bekommen haben. Genauso unklar ist auch, ob der Tab versehentlich oder vorsätzlich in die Süßigkeiten-Tüte gelegt worden ist. Einen konkreten Tatverdacht gibt es noch nicht.

Aber lasst es mich so formulieren:

Alte CD sind geschmacklos. Alte Osterhasen und Instantnudeln armselig. Hundefutter in Bonbonpapier ist widerlich.

Aber Spülmaschinen-Tabs können tödlich sein.

Kontrolliert die Süßigkeiten Eurer Kinder. Jetzt. Heute noch. Wartet nicht.

An den Menschen, der alte CDs verschenkt: Du wirst ernten, was du sähst. Ganz bestimmt.

An den Menschen, der Hundefutter in Bonbonpapier einwickelt: Geh zum Arzt. Schnell.

An den, der Spülmaschinentabs verteilt: Wenn du nicht mehr Herr deiner Sinne bist, hoffe ich sehr, dass deine Angehörigen auf dich aufpassen. Du brauchst Hilfe. Doch falls du das mit Absicht gemacht hast, sagt die vor Wut, Hass und Zorn schäumende Mutter in mir (nur innerlich, versteht sich): Ich wünsche dir Pest, Cholera und 20 Horror-Clowns mit Kettensägen an den Hals.

Die Juristin in mir sagt: Zeigt ihn an. Schnell. Selbstjustiz ist keine Lösung. Nie.

Die Juristin gewinnt.

Wir sind Vorbilder für unsere Kinder. Also verhalten wir uns bitte auch so. Weil wir an das Gute glauben.

Und in Zukunft passen wir noch besser auf. Wie wir das immer tun, wenn sich wieder Nachrichten häufen, dass Menschen dem Kostbarsten, das wir haben auf der Welt, Böses wollen.

Wir Eltern warnen uns. Wir beschützen unsere Kinder. Wir sprechen das nicht aus. Ein Blick reicht.

Helikopter-Eltern nennen sie uns und lachen.

Wen interessiert’s.

Ich verspreche, ich passe auf deine Kinder auf. Habe sie im Blick. So wie du meine im Blick hast.

Dafür danke ich dir.

Dir in der Schule, im Kindergarten, in der Nachbarschaft, im Sportverein, im Straßenverkehr.

Egal, ob du Vater bist oder Mutter.

Ich weiß, du bist da.

Danke.

01.11.2018

Diesen Artikel teilen

Auch interessant

X