Birgit Schmidt-Harder

Birgit Schmidt-Harder

Urlaubsreif

So, ich bin dann mal urlaubsreif. Lassen Sie mich eben nachrechnen: Meine Kinder hatten im April und Mai 17 Tage frei. 17! 17 echte Werktage. Zugegeben, eine Woche Osterferien war dabei, drei Feiertage, ein allgemeiner und – der Hass aller arbeitenden Eltern – zwei bewegliche Ferientage.

Kennen Sie nicht? Doch, kennen Sie. Ursprünglich waren die beweglichen Ferientage dazu gedacht, den Schulen die Möglichkeit zur eigenständigen Gestaltung der Unterrichtszeiten zu geben. Gott, bitte nicht! Welcher sozialliberale Vollhorst war damals bloß auf diese Idee gekommen? Können Sie sich vorstellen, was das bedeutet, wenn man arbeitet und Kinder an unterschiedlichen Schulen hat? „Hey, lass‘ ma im Februar ’n Tag frei machen“, sagt die eine Schule. „Ach nö, lieber im April“, sagt die andere Schule. Großer Spaß.

Zum Glück ist es heute so, dass die Schulen – auch in Pinneberg – sich gegenseitig absprechen. Was aber nichts daran ändert, dass drei zusätzliche Tage neben sechs Wochen Sommer-, zwei Wochen Herbst-, zwei Wochen Weihnachts- und zwei Wochen Osterferien betreuungsmäßig abzudecken ungefähr genauso möglich ist wie übers Wasser zu gehen. Ich weiß ja nicht, wie viele Urlaubstage Sie so haben. Aber ich schätze mal, 75 so wie die Schulkinder sind es nicht. Und dann kommen noch Schulentwicklungstage und dieser allgemeine Ferientag nach Himmelfahrt dazu, der sich irgendwie gewohnheitsrechtlich eingeschlichen hat („Machen wir halt frei, lohnt sich doch nicht, der Freitag!“). Ich habe bis heute keine Rechtsgrundlage dafür gefunden. Wenn Sie eine wissen, erleuchten Sie mich.

Bis dahin freue ich mich schon auf Oktober. Die Herbstferien sind dieses Jahr nicht zwei, sondern drei Wochen lang. Weil – halten Sie sich fest – dieses und nächstes Schuljahr so viele Feiertage auf Werktage fallen. Heißt: Weil so viel frei ist, gibt‘s noch mehr frei. Weil Feiertage nicht mit Ferientagen verrechnet werden dürfen. Weder das Bildungsministerium noch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft haben übrigens pädagogische Bedenken deswegen. Kennen Sie das Sprichwort vom Bock und dem Gärtner? Vermutlich nicht. Ich schätze mal, Sie hatten gerade frei, als das in der Schule dran kam.

23.07.2018

Foto: Birgit Schmidt-Harder

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