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Maike Heggblum

Maike Heggblum

„Warum ich einen Demenz Partner Kurs machte“

„Werden Sie aktiv und trauen Sie sich. Es ist nicht schwer. Jeder kann helfen.“ Mit diesen Worten eröffnet Heilpraktikerin Elke Kramper aus Ellerbek am letzten Sonnabend im Oktober ihren zweiten Demenz Partner Kurs in diesem Monat.

„Ich glaube, dass mir dieser Kurs helfen kann“

Mit mir sind noch acht andere Teilnehmer in die gemütlichen Räume des Seniorentreffs in Ellerbek gekommen. Warum ausgerechnet ich hier bin? Weil ich es schon ganz lange wollte. In meinem Nebenjob – ich arbeite im Rettungsdienst in Norderstedt – habe ich oft mit älteren Menschen zu tun. Und ich glaube, dass mir dieser Kurs im Umgang mit Demenzerkrankten helfen kann. Die anderen Teilnehmer und ich sind sehr gespannt, welches Wissen über Demenz Elke Kramper uns in den knapp zwei Stunden beibringen wird.

Unterschiedliche Beweggründe und Altersklassen

Wir beginnen mit einer Vorstellungsrunde, in der jeder seine Beweggründe nennen soll, warum er heute hier ist. Ich bin überrascht, wie unterschiedlich sowohl die Gründe als auch die Altersklassen der Teilnehmer sind. Die Frau von der Sterbebegleitung und eine nette Dame, die Wohnberatung anbietet, schließe ich sofort ins Herz. Toll, wie gemischt wir hier sind!

1,7 Millionen Demenzerkrankte in Deutschland

Zunächst geht es um harte Fakten. Dass allein in Deutschland 1,7 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung leben, erschreckt mich. So viele? Im Jahr 2050 sollen es sogar 2,5 Millionen sein. Schnell rechne ich nach, ob ich dabei sein könnte. 32 Jahre noch bis dahin – ja, das könnte mich auch treffen.

Demenz – eine Erkrankung des Gehirns

Etwa 80 Prozent der Demenzerkrankten werden zu Hause betreut. Das wiederum lässt mich aufatmen – ist unser Pflegesystem doch nicht so schlecht? Dann geht es weiter mit der genauen Definition von Demenz: Sie ist eine Erkrankung des Gehirns, in deren Verlauf sich die Nervenzellen und Nervenzellenverbindungen im Gehirn verändern und zerstört werden. Und dies für einen Zeitraum, der länger als sechs Monate anhält.

Erste Anzeichen

Wir sprechen über die Merkmale dieser Erkrankung, und woran ich auf der Straße einen eventuell dementen Menschen erkennen kann. Als Elke Kramper über die ersten Anzeichen der Erkrankung spricht, fangen wir alle ein wenig an zu kichern. Autoschlüssel verlegen, nicht mehr auf Namen von Menschen kommen, nicht mehr wissen, was man eben noch machen wollte – für mich völlig normal. Ich verlege ständig etwas. Muss ich mir Sorgen machen?

Ungünstige Faktoren

„Eine Demenz kann in jedem Alter auftreten“, sagt Elke Kramper. „Sie wird von verschiedenen Faktoren und Umständen günstig oder ungünstig beeinflusst.“ Nikotin, Drogen, Alkohol und andere Grunderkrankungen wie Diabetes und Adipositas beispielsweise begünstigen eine Demenzerkrankung. Ich atme auf. Dann bin ich wohl doch nur etwas zerstreut.

Verbeugung

Wir sprechen über Vorbeugung. Meine Vermutung, dass Kreuzworträtsel, Sudoku und Gedächtnistraining völlig ausreichen, ist leider gänzlich falsch. „Das ist zwar alles ganz nett, reicht aber nicht aus“, sagt Elke Kramper. Viel wichtiger dagegen sei es, geistig aktiv zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen. Frische Luft und Bewegung seien auch sehr gut. Wann war ich eigentlich das letzte Mal joggen?

Der Umgang mit Demenzerkrankten

Jetzt erklärt uns Elke Kramper, was im Umgang mit Demenzerkrankten wichtig ist. Wie man sich ihnen nähert, und was man auf keinen Fall tun sollte. Es sind Dinge, die eigentlich logisch sein sollten, aber es tut gut, sie noch einmal zu hören: ruhig bleiben, Sicherheit ausstrahlen, versuchen, die Situation einzuschätzen. Braucht er oder sie vielleicht gerade Hilfe und findet nicht allein nach Hause? „Sprechen Sie den Menschen einfach ruhig und freundlich an.“

Ausreden lassen

„Das kann ich!“, rutscht es mir glatt raus. Elke Kramper lacht und erinnert mich, dass ich die Menschen auch ausreden lassen muss. „Je nach Schweregrad der Erkrankung brauchen die Betroffenen vielleicht ein wenig Zeit zum Antworten, also bitte nicht gleich weiterreden, sondern warten.“ Okay, daran muss ich unbedingt in Zukunft denken.

Hilfsangebote für Angehörige

Abschließend geht es um die Angehörigen, um Hilfsangebote und Tipps für schwierige Situationen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es wohl ist, sich den ganzen Tag um einen Angehörigen zu kümmern. 24 Stunden rund um die Uhr –  auch in der Nacht. Ich wäre schon nach einer Woche völlig fertig mit den Nerven. Doch die Menschen, die sich dazu entschließen, ihre Angehörigen zu pflegen, machen dies oft viele Jahre lang. Was für eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe, denke ich. All dies findet meist im Verborgenen statt. Und wir Nachbarn oder Bekannte bekommen gar nicht so viel davon mit. Eigentlich schade, denn mit kleinen Gesten oder netten Worten kann man hier schon viel bewegen.

Aufmerksam werden

Ich nehme mir vor, ab sofort aufmerksamer durch die Welt zu gehen und mich umzusehen – auch im Bekanntenkreis. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die in der Pflege arbeiten oder ihre Angehörigen pflegen. Das werde ich ab sofort auch sagen und nicht nur denken. Und ich werde unsere Nachbarin besuchen und sie fragen, ob sie etwas aus dem Supermarkt braucht, wenn ich dort noch hinfahre. Vielleicht hilft es ihr, weil sie gerade nicht weg kann und ihren Mann sonst allein lassen muss.

Eine Brosche für die Jacke

Zwei Stunden später ist es soweit. Wir Teilnehmer dürfen uns jetzt alle Demenz Partner nennen und bekommen alle eine kleine Brosche für die Jacke.

Gut fühlt sich das an.

Demenz Partner – was steckt dahinter?

Demenz Partner steht für eine Initiative, die an die Aktivitäten der weltweiten Aktion Dementis Friends anknüpft. Diese Initiative wurde von der englischen Alzheimer-Gesellschaft gestartet, um das Bild und die Wahrnehmung von Menschen mit Demenz gesamtgesellschaftlich zu verändern. Inzwischen beteiligen sich viele weitere Länder wie zum Beispiel Kanada und Deutschland daran. Demenz Partner darf sich nennen, wer einen 90-minütigen kostenlosen Kompaktkurs zum Thema Demenz oder eine vergleichbare Informationsveranstaltung besucht hat. Jeder kann Demenz Partner werden – egal ob jung oder alt, berufstätig oder im Ruhestand, egal ob man einen Mensch mit Demenz persönlich kennt oder nicht. Im einem Demenz Partner Kurs lernt man Grundlegendes zum Krankheitsbild und zum Umgang mit Menschen mit Demenz. Aktuell gibt es 34.947 Demenz Partner in Deutschland.

Wer einen so eine Kurs besuchen möchte, fragt zum Beispiel

Elke Kramper – Heilpraktikerin
Pinneberger Straße 167
Ellerbek
Telefon: 04 101 – 371 841
E-Mail: kramper@praxisammoordamm.de
http://www.elke-kramper.de

oder schaut auf die Demenz Partner Seite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter „Für Kurssuchende“:

https://www.demenz-partner.de

Fotos: Maike Heggblum

27.10.2018

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